Wunden vermeiden

Offenes Bein (Ulcus cruris): Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Warum am Unterschenkel Wunden entstehen, die nicht heilen wollen, welche Ursachen dahinterstecken, wie sie behandelt werden und warum Kompression bei Herzschwäche ärztlich geprüft werden muss.

Eine kleine Verletzung am Unterschenkel, die einfach nicht zuheilt, oder eine Hautstelle, die sich bräunlich verfärbt und schließlich aufbricht: So beginnt oft ein offenes Bein. Fachleute sprechen vom Ulcus cruris. Es ist eine der häufigsten chronischen Wunden, besonders bei älteren Menschen. Diese Seite erklärt die Ursachen, die Behandlung und was Sie zur Vorbeugung tun können. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, was bei gleichzeitiger Herzschwäche zu beachten ist. Allgemeines zur Vorbeugung von Wunden finden Sie auf der Seite Wunden vermeiden.

Ursachen

Form Ursache Typische Merkmale
Venöses Ulcus Venenschwäche, Klappenschäden der Venen, Folgen einer Thrombose Häufigste Form, oft an der Innenseite oberhalb des Knöchels, geschwollene Beine, bräunliche Hautverfärbungen
Arterielles Ulcus Durchblutungsstörung der Arterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit) Oft an Zehen, Ferse oder Schienbein, schmerzhaft, kühle, blasse Haut
Gemischtes Ulcus Venen und Arterien betroffen Merkmale beider Formen
Andere Ursachen Diabetes, Entzündungen der Gefäße, Hauterkrankungen, selten Tumoren Abklärung durch Fachleute nötig

Bei der Venenschwäche schließen die Venenklappen nicht mehr richtig. Das Blut staut sich in den Beinen, der Druck in den Gefäßen steigt, und die Haut wird schlechter versorgt. Über Jahre entstehen Verfärbungen, Verhärtungen und schließlich Wunden. Bei der arteriellen Form gelangt zu wenig sauerstoffreiches Blut in das Gewebe. Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette sind hier die wichtigsten Risikofaktoren.

Wie die Ursache geklärt wird

Weil sich die Behandlung grundlegend unterscheidet, steht die Ursachensuche am Anfang. Dazu gehören eine Untersuchung der Beine, das Tasten der Fußpulse, eine Blutdruckmessung an Armen und Knöcheln zur Abschätzung der Durchblutung und eine Ultraschalluntersuchung der Venen und Arterien. Bei Wunden, die trotz Behandlung nicht heilen, kann eine Gewebeprobe nötig sein.

Behandlung

Kompression bei venösem Ulcus

Die wichtigste Maßnahme beim venösen Ulcus ist die Kompression mit Verbänden oder speziellen Strümpfen. Sie drückt die Venen zusammen, verbessert den Rückfluss des Blutes zum Herzen und vermindert Schwellungen. So kann die Wunde heilen. Kompression wird ärztlich verordnet und fachgerecht angelegt.

Kompression und Herzschwäche

Hier ist Vorsicht geboten. Durch die Kompression strömt mehr Flüssigkeit aus den Beinen zurück in den Kreislauf. Ein gesundes Herz bewältigt das, ein geschwächtes Herz unter Umständen nicht. Bei einer schweren oder nicht ausreichend behandelten Herzschwäche gilt eine Kompression deshalb als nicht geeignet. Bei stabiler Herzschwäche ist sie oft möglich, aber nur nach ärztlicher Prüfung, manchmal mit geringerem Druck und unter Beobachtung von Gewicht und Atmung. Auch bei schweren arteriellen Durchblutungsstörungen darf nicht komprimiert werden. Wie Wassereinlagerungen bei Herzschwäche entstehen, erklärt der Beitrag Wassereinlagerungen bei Herzschwäche.

Wundversorgung

Moderne Wundauflagen halten die Wunde feucht, saugen überschüssige Flüssigkeit auf und schützen vor Keimen. Abgestorbenes Gewebe wird regelmäßig entfernt. Die Wundumgebung wird gepflegt, damit die Haut nicht aufweicht. Welche Auflage passt, hängt vom Zustand der Wunde ab und wird fachlich festgelegt, oft in einer Wundsprechstunde oder durch einen spezialisierten Pflegedienst.

Behandlung der Gefäße

Je nach Ursache kommen Eingriffe an den Venen oder eine Verbesserung der arteriellen Durchblutung infrage, etwa durch Aufdehnung oder eine Bypass-Operation. Auch Bewegungstraining hilft.

Vorbeugung

  1. Bewegung: Gehen und Fußgymnastik aktivieren die Wadenmuskelpumpe.
  2. Beine hochlegen: Bei Venenschwäche zwischendurch die Beine hochlegen, sofern Sie im Liegen gut Luft bekommen.
  3. Langes Stehen und Sitzen vermeiden: zwischendurch bewegen, Füße kreisen.
  4. Hautpflege: trockene, schuppige Haut täglich mit einer milden, rückfettenden Creme pflegen.
  5. Verletzungen vermeiden: schon kleine Stöße und Kratzer an den Unterschenkeln können bei geschädigter Haut zu Wunden werden.
  6. Kompressionsstrümpfe nach ärztlicher Verordnung konsequent tragen.
  7. Risikofaktoren behandeln: Rauchstopp, gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck.

Offenes Bein und Diabetes

Bei Diabetes kommen oft Nervenschäden hinzu, die Verletzungen weniger spürbar machen. Wunden an Füßen und Unterschenkeln brauchen dann besondere Aufmerksamkeit. Mehr dazu im Beitrag Diabetischer Fuß: Tägliche Fußpflege und Warnzeichen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert es, bis ein offenes Bein heilt?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Wunden heilen unter guter Behandlung in einigen Wochen, andere brauchen Monate. Entscheidend ist, die Ursache zu behandeln, also etwa bei Venenschwäche die Kompression konsequent anzuwenden. Ohne Behandlung der Ursache kommt die Wunde oft wieder.
Darf ich die Wunde selbst mit Hausmitteln behandeln?
Davon ist abzuraten. Hausmittel, Puder oder Salben ohne Absprache können die Heilung stören, die Haut reizen oder Allergien auslösen. Die Wundversorgung sollte nach einem ärztlichen Plan erfolgen, oft unterstützt durch einen Pflegedienst oder eine Wundsprechstunde.
Kann ein offenes Bein wiederkommen?
Ja, das Risiko ist hoch, wenn die Ursache weiter besteht. Bei Venenschwäche hilft das dauerhafte Tragen von Kompressionsstrümpfen nach ärztlicher Verordnung, Rückfällen vorzubeugen. Auch Bewegung, Hautpflege und das Vermeiden von Verletzungen tragen dazu bei.