Herzschwäche

Leben mit Herzschwäche: Gewicht, Trinkmenge, Bewegung und Warnzeichen

Was Sie selbst für Ihr Herz tun können: tägliches Wiegen, sinnvolle Trinkmenge, Bewegung, Reisen, Impfungen und ein klarer Plan, wann Sie sich melden sollten.

Eine Herzschwäche begleitet Betroffene jeden Tag. Das klingt belastend, hat aber auch eine gute Seite: Vieles, was den Verlauf beeinflusst, liegt in Ihrer Hand. Diese Seite fasst zusammen, was sich im Alltag bewährt hat. Die Hinweise beruhen auf den Empfehlungen der Leitlinien und ersetzen nicht die Absprachen mit Ihrem Behandlungsteam. Wo Ihre Ärztin oder Ihr Arzt etwas anderes festgelegt hat, gilt deren Vorgabe.

Täglich wiegen: das wichtigste Frühwarnsystem

Bevor die Atemnot zunimmt, lagert der Körper meist schon tagelang Wasser ein. Auf der Waage zeigt sich das früher als im Spiegel. Deshalb gehört das tägliche Wiegen zu den wichtigsten Gewohnheiten bei Herzschwäche.

So gelingt es zuverlässig:

  1. Wiegen Sie sich jeden Morgen zur gleichen Zeit, nach dem ersten Toilettengang und vor dem Frühstück.
  2. Nutzen Sie immer dieselbe Waage auf demselben, festen Untergrund.
  3. Tragen Sie möglichst die gleiche Kleidung oder wiegen Sie sich ohne Kleidung.
  4. Schreiben Sie den Wert sofort auf, etwa in das Patiententagebuch.

Die Patientenblätter der Nationalen VersorgungsLeitlinie empfehlen, die Arztpraxis zu informieren, wenn das Gewicht über Nacht um mehr als 1 Kilogramm, innerhalb von drei Tagen um mehr als 2 Kilogramm oder innerhalb einer Woche um mehr als 2,5 Kilogramm steigt. Meist steckt kein Notfall dahinter, oft reicht eine Anpassung der Wassertabletten. Wichtig ist, dass Sie es früh melden.

Trinkmenge: individuell statt pauschal

Lange galt die Regel, Menschen mit Herzschwäche sollten grundsätzlich wenig trinken. Heute sehen die Leitlinien das differenzierter. Bei einer stabilen Herzschwäche bringt eine strenge Begrenzung keinen nachgewiesenen Vorteil. Extreme Mengen sollten Sie trotzdem meiden. Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, starken Wassereinlagerungen oder niedrigen Natriumwerten im Blut kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine persönliche Höchstmenge festlegen.

Wenn eine Trinkmenge vereinbart ist, hilft es, sie über den Tag zu verteilen und eine Flasche mit der Tagesmenge bereitzustellen. Denken Sie daran, dass auch Suppen, Joghurt und wasserreiches Obst Flüssigkeit liefern. Bei Hitze, Fieber, Erbrechen oder Durchfall verlieren Sie mehr Wasser als sonst. Dann sollten Sie nicht einfach weniger Wassertabletten nehmen oder mehr trinken, sondern Rücksprache halten.

Salz in Maßen

Kochsalz bindet Wasser im Körper. Ein sehr salzreiches Essen kann deshalb Wassereinlagerungen verstärken. Gleichzeitig raten die Leitlinien von einer extremen Salzbeschränkung ab. Sinnvoll ist ein maßvoller Umgang: wenig Fertiggerichte, Wurst und salzige Snacks, mit Kräutern und Gewürzen würzen. Mehr dazu auf der Seite Ernährung bei Herzerkrankungen.

In Bewegung bleiben

Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur, verbessert die Belastbarkeit und hebt die Stimmung. Bei stabiler Herzschwäche wird sie ausdrücklich empfohlen. Geeignet sind Ausdauerbelastungen in moderatem Tempo wie Spazierengehen, Radfahren auf dem Ergometer oder Wassergymnastik sowie leichtes Krafttraining. Eine gute Faustregel ist, dass Sie sich während der Bewegung noch unterhalten können.

Den besten Einstieg bietet eine kardiologische Reha oder eine Herzsportgruppe, in der Sie unter Aufsicht lernen, wie viel Ihnen guttut. Verzichten Sie auf Bewegung, wenn sich Ihre Beschwerden gerade verschlechtern, und brechen Sie ab bei Brustschmerz, starker Atemnot oder Schwindel.

Rauchen, Alkohol und Schlaf

Rauchen schädigt Gefäße und Herz. Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter, Unterstützung gibt es bei der Hausarztpraxis und bei Krankenkassen. Alkohol kann den Herzmuskel schwächen und Rhythmusstörungen auslösen. Besprechen Sie, ob und wie viel für Sie vertretbar ist. Wenn Alkohol die Ursache der Herzschwäche war, ist vollständiger Verzicht wichtig.

Schnarchen mit Atemaussetzern und ausgeprägte Tagesmüdigkeit können auf eine Schlafapnoe hinweisen, die bei Herzschwäche häufig vorkommt. Mehr dazu unter Begleiterkrankungen.

Impfungen

Infekte wie Grippe oder Lungenentzündung können eine Herzschwäche deutlich verschlechtern. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen mit chronischen Herzerkrankungen deshalb unter anderem Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken sowie Auffrischimpfungen gegen COVID-19. Welche Impfungen für Sie aktuell sind, klärt Ihre Hausarztpraxis.

Reisen und Alltag organisieren

Mit stabiler Herzschwäche sind Reisen meist möglich. Hilfreich sind ein aktueller Medikationsplan, ein kurzer Arztbrief, ausreichend Medikamente im Handgepäck und eine Waage oder zumindest ein fester Zeitpunkt zum Wiegen. Meiden Sie große Hitze und große Höhen und planen Sie Pausen ein.

Die Psyche nicht vergessen

Eine chronische Herzerkrankung kann Angst, Niedergeschlagenheit und Rückzug auslösen. Depressive Beschwerden sind bei Herzschwäche häufig und werden oft übersehen. Sie verdienen genauso Aufmerksamkeit wie Atemnot oder Ödeme. Sprechen Sie es in der Praxis an, wenn Sie über Wochen antriebslos, traurig oder hoffnungslos sind. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in einer Herzsportgruppe oder Selbsthilfegruppe, kann entlasten.

Die Ampel für den Alltag

Zone Woran Sie es erkennen Was zu tun ist
Grün Gewicht stabil, Atmung wie gewohnt, keine neuen Schwellungen Wie gewohnt weitermachen, Werte notieren
Gelb Gewichtsanstieg über den vereinbarten Grenzen, mehr Atemnot bei Belastung, dickere Knöchel, neuer nächtlicher Husten Am selben oder nächsten Tag die Praxis informieren
Rot Atemnot in Ruhe, Brustschmerz, Ohnmacht, Verwirrtheit, rasender oder sehr langsamer Puls Sofort Notruf 112
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Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie viel darf ich mit Herzschwäche trinken?
Eine allgemeingültige Menge gibt es nicht. Bei stabiler Herzschwäche ist eine strenge Begrenzung oft nicht nötig, sehr große Trinkmengen sollten Sie aber meiden. Bei fortgeschrittener Erkrankung oder starken Wassereinlagerungen legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine persönliche Menge fest. Halten Sie sich an diese Absprache.
Darf ich mit Herzschwäche Sport treiben?
Bei stabiler Herzschwäche ist regelmäßige, angepasste Bewegung ausdrücklich erwünscht, zum Beispiel Gehen, Radfahren oder Herzsport in einer Gruppe. Art und Umfang sollten Sie vorher ärztlich besprechen. Bei einer akuten Verschlechterung ist dagegen Schonung angesagt.
Kann ich mit Herzinsuffizienz verreisen?
Mit stabiler Erkrankung ist das meist möglich. Planen Sie die Reise mit Ihrer Praxis, nehmen Sie ausreichend Medikamente, Medikationsplan und Arztbrief mit und meiden Sie extreme Hitze oder große Höhen. Bei Hitze und Durchfall kann eine Anpassung der Wassertabletten nötig sein.