Herzschwäche

Behandlung der Herzinsuffizienz: Medikamente, Geräte und Reha

Ein laienverständlicher Überblick über die Therapie nach den Leitlinien: welche Medikamentengruppen eingesetzt werden, wann Geräte sinnvoll sind und was Reha und Schulung bringen.

Die Behandlung einer Herzschwäche hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Heute stehen mehrere Medikamentengruppen zur Verfügung, die in großen Studien gezeigt haben, dass sie Krankenhausaufenthalte verringern und das Leben verlängern können. Diese Seite gibt einen Überblick, damit Sie die Begriffe aus dem Arztgespräch einordnen können. Sie ersetzt keine Behandlungsplanung: Welche Mittel in welcher Dosis für Sie richtig sind, entscheidet Ihr Behandlungsteam.

Die Ziele der Behandlung

Die Therapie verfolgt mehrere Ziele zugleich: Beschwerden wie Atemnot und Wassereinlagerungen lindern, die Belastbarkeit verbessern, Krankenhausaufenthalte vermeiden und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Für viele Betroffene ist außerdem wichtig, möglichst selbstständig zu bleiben. Sprechen Sie offen darüber, was Ihnen persönlich am wichtigsten ist.

Erste Säule: die Ursache behandeln

Wo es möglich ist, wird die Ursache gezielt angegangen. Ein hoher Blutdruck wird gesenkt, verengte Herzkranzgefäße können mit einem Stent oder einer Bypass-Operation behandelt werden, eine kranke Herzklappe lässt sich operativ oder per Katheter ersetzen oder reparieren. Bei Vorhofflimmern wird der Herzrhythmus oder die Herzfrequenz behandelt. Manchmal bessert sich die Pumpleistung danach deutlich.

Zweite Säule: Medikamente

Bei einer Herzschwäche mit reduzierter Pumpleistung (HFrEF) empfehlen die aktuellen Leitlinien eine Kombination aus vier Wirkstoffgruppen, die jeweils auf eigene Weise das Herz schützen. Sie werden häufig als die vier Säulen der medikamentösen Therapie bezeichnet:

Wirkstoffgruppe Beispiele für Wirkstoffe Grundprinzip
ACE-Hemmer oder ARNI (bei Unverträglichkeit ein Sartan) Ramipril, Enalapril; Sacubitril/Valsartan Entlasten das Herz, indem sie Gefäße weiten und Stresshormone dämpfen
Betablocker Bisoprolol, Metoprololsuccinat, Carvedilol, Nebivolol Senken die Herzfrequenz und schützen vor Stresshormonen
Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) Spironolacton, Eplerenon Hemmen das Hormon Aldosteron, das Salz und Wasser zurückhält
SGLT2-Hemmer Dapagliflozin, Empagliflozin Ursprünglich Diabetesmittel, entlasten Herz und Nieren auch ohne Diabetes

Hinzu kommen Diuretika (Wassertabletten). Sie verbessern die Prognose nicht direkt, schwemmen aber eingelagertes Wasser aus und lindern dadurch Atemnot und Schwellungen schnell. Ihre Dosis wird oft an das Gewicht angepasst, weshalb das tägliche Wiegen so wichtig ist.

Bei einer Herzschwäche mit leicht reduzierter oder erhaltener Pumpleistung (HFmrEF, HFpEF) ist die Datenlage anders. Hier stehen die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Vorhofflimmern, Diuretika gegen Wassereinlagerungen und nach der europäischen Leitlinie von 2023 auch SGLT2-Hemmer im Vordergrund.

Weitere Medikamente kommen in bestimmten Situationen dazu, etwa Eisen als Infusion bei nachgewiesenem Eisenmangel, Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern oder Mittel, die die Herzfrequenz senken, wenn Betablocker allein nicht reichen.

Nicht eigenmächtig ändern

Setzen Sie Herzmedikamente nie ohne Rücksprache ab und verändern Sie die Dosis nicht selbst. Das gilt auch, wenn Sie sich gut fühlen. Ausnahme ist eine mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt schriftlich vereinbarte Regel, etwa zur Anpassung der Wassertabletten nach dem Gewicht.

Was Sie über Nebenwirkungen wissen sollten

Viele Herzmittel senken den Blutdruck, sodass anfangs Schwindel beim Aufstehen auftreten kann. ACE-Hemmer verursachen bei manchen Menschen einen trockenen Reizhusten. MRA und ACE-Hemmer können den Kaliumspiegel erhöhen, weshalb Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. SGLT2-Hemmer führen zu vermehrter Zuckerausscheidung im Urin, sodass gute Intimhygiene wichtig ist. Fragen Sie in der Praxis oder Apotheke nach, welche Nebenwirkungen bei Ihren Mitteln zu beachten sind. Tipps für den Alltag finden Sie unter Medikamente sicher einnehmen.

Dritte Säule: Geräte und Eingriffe

Bleibt die Pumpleistung trotz guter medikamentöser Behandlung stark eingeschränkt, können implantierte Geräte helfen:

  • Implantierbarer Defibrillator (ICD): Er überwacht den Herzrhythmus und gibt bei lebensgefährlichen Rhythmusstörungen einen Stromstoß ab. Er soll vor dem plötzlichen Herztod schützen.
  • Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT): Ein spezieller Schrittmacher mit mehreren Elektroden sorgt dafür, dass sich beide Herzkammern wieder gleichzeitig zusammenziehen. Er kommt vor allem bei bestimmten Veränderungen im EKG in Frage, etwa einem Linksschenkelblock. CRT und Defibrillator gibt es auch kombiniert in einem Gerät.
  • Eingriffe an Herzklappen, zum Beispiel bei einer undichten Mitralklappe per Katheter.
  • Bei sehr schwerer Herzschwäche kommen Herzunterstützungssysteme oder eine Herztransplantation in Betracht. Das wird in spezialisierten Zentren geprüft.

Ob ein Gerät sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem der Ejektionsfraktion nach einigen Monaten optimaler Therapie, dem EKG und dem Allgemeinzustand.

Vierte Säule: Schulung, Bewegung und Reha

Mindestens so wichtig wie Tabletten ist das Wissen der Betroffenen. Patientenschulungen vermitteln, wie man Warnzeichen erkennt, sich täglich wiegt und Medikamente richtig einnimmt. Viele Krankenkassen bieten strukturierte Behandlungsprogramme an, in denen regelmäßige Kontrollen und Schulungen vorgesehen sind.

Eine kardiologische Rehabilitation kann nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei deutlicher Einschränkung beantragt werden. Dort lernen Betroffene unter Aufsicht, wie viel Belastung ihnen guttut, und erhalten Ernährungs- und Bewegungsberatung sowie psychologische Unterstützung. Danach bieten Herzsportgruppen die Möglichkeit, wohnortnah unter ärztlicher Aufsicht in Bewegung zu bleiben.

Wie die Behandlung begleitet wird

Gerade in den ersten Monaten sind häufige Termine üblich, weil die Medikamente schrittweise gesteigert und Blutwerte kontrolliert werden. Später reichen meist größere Abstände. Ein Patiententagebuch mit Gewicht, Blutdruck und Puls hilft, die Wirkung zu beurteilen. Was Sie zwischen den Terminen selbst tun können, lesen Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Muss ich die Herzmedikamente für immer nehmen?
In den meisten Fällen ja. Die Medikamente schützen das Herz dauerhaft, auch wenn Sie sich besser fühlen. Gerade dann zeigen sie, dass sie wirken. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Anpassung.
Warum werden die Dosierungen so langsam gesteigert?
Viele Herzmedikamente senken den Blutdruck oder den Puls. Damit sich der Körper daran gewöhnt, beginnt man mit kleinen Mengen und steigert schrittweise bis zur Zieldosis oder zur höchsten gut vertragenen Dosis. Das braucht mehrere Wochen und regelmäßige Kontrollen.
Wer bezahlt die Reha bei Herzinsuffizienz?
Je nach Lebenssituation ist das meist die Rentenversicherung, etwa bei Berufstätigen, oder die Krankenkasse. Nach einem Krankenhausaufenthalt kann eine Anschlussreha direkt aus der Klinik beantragt werden. Den Antrag stellt man mit ärztlicher Unterstützung.