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Inkontinenz: Blasenschwäche, Beckenboden und Hilfsmittel

Welche Formen der Blasenschwäche es gibt, was dahintersteckt, wie Beckenbodentraining und andere Behandlungen helfen und welche Hilfsmittel die Krankenkasse übernimmt.

Über Blasenschwäche spricht kaum jemand gern. Dabei ist sie weit verbreitet, bei Frauen wie bei Männern, bei Jüngeren und besonders im höheren Alter. Viele Betroffene ziehen sich zurück, meiden Ausflüge oder Sport und behelfen sich jahrelang mit Einlagen, ohne zu wissen, dass es wirksame Hilfe gibt. Diese Seite erklärt die wichtigsten Formen der Harninkontinenz, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Zur ungewollten Stuhlausscheidung gibt es eine eigene Seite: Stuhlinkontinenz.

Wie Kontinenz funktioniert

Die Blase sammelt den Urin, bis sie sich bewusst entleert. Dafür müssen mehrere Dinge zusammenspielen: ein elastischer Blasenmuskel, ein kräftiger Schließmuskel, ein stabiler Beckenboden, der Blase und Harnröhre stützt, und intakte Nervenverbindungen zum Gehirn. Ist eines dieser Elemente geschwächt, kann Inkontinenz entstehen.

Die häufigsten Formen

Form Typisches Merkmal Häufige Ursachen
Belastungsinkontinenz Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Treppensteigen, ohne vorherigen Harndrang Geschwächter Beckenboden, etwa nach Geburten, in den Wechseljahren oder nach einer Prostataoperation
Dranginkontinenz Plötzlicher, sehr starker Harndrang, die Toilette wird oft nicht mehr rechtzeitig erreicht, häufiges Wasserlassen auch nachts Überaktive Blase, Reizungen, Nervenerkrankungen, manchmal ohne erkennbare Ursache
Mischinkontinenz Merkmale von Belastungs- und Dranginkontinenz zugleich Kombination der Ursachen
Überlaufinkontinenz Ständiges Tröpfeln, weil die Blase nicht vollständig entleert wird Abflusshindernis, etwa eine vergrößerte Prostata, oder ein schwacher Blasenmuskel
Funktionelle Inkontinenz Blase funktioniert, aber die Toilette wird nicht rechtzeitig erreicht Eingeschränkte Beweglichkeit, Demenz, ungünstige Wohnsituation

Die Unterschiede zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz sind für die Behandlung entscheidend, denn sie werden ganz unterschiedlich behandelt.

Wenn Herz und Blase zusammenhängen

Für Menschen mit Herzschwäche gibt es einige Besonderheiten. Wassertabletten (Diuretika) steigern die Urinmenge für einige Stunden nach der Einnahme deutlich. Das kann Harndrang und Inkontinenz verstärken. Viele Betroffene nehmen die Tabletten deshalb ungern, was gefährlich sein kann. Besser ist es, mit der Ärztin oder dem Arzt über den Einnahmezeitpunkt zu sprechen, sodass die stärkste Wirkung in eine Zeit fällt, in der eine Toilette erreichbar ist. Auch nächtliches Wasserlassen kann eine Folge der Herzschwäche sein, weil im Liegen eingelagerte Flüssigkeit aus den Beinen zurück in den Kreislauf gelangt. Hinweise zur Einnahme finden Sie unter Medikamente sicher einnehmen.

Reduzieren Sie die Trinkmenge nicht eigenmächtig, um weniger Harndrang zu haben. Bei Herzschwäche gilt die Menge, die mit Ihrer Praxis vereinbart ist.

Wie die Ursache gefunden wird

Die Abklärung beginnt meist in der Hausarztpraxis, der gynäkologischen oder der urologischen Praxis. Hilfreich sind:

  • Ein Gespräch über Art und Häufigkeit des Urinverlusts, Medikamente, Geburten, Operationen und Begleiterkrankungen.
  • Ein Blasentagebuch (Miktionsprotokoll) über einige Tage: wann und wie viel Sie trinken, wann Sie zur Toilette gehen, wann Urin verloren geht. Es ist eine der aussagekräftigsten Untersuchungen.
  • Eine Urinuntersuchung, um einen Harnwegsinfekt auszuschließen.
  • Ein Ultraschall, der unter anderem zeigt, ob nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase bleibt.
  • Bei Bedarf eine Blasendruckmessung (Urodynamik) in einer spezialisierten Praxis.

Behandlungsmöglichkeiten

Beckenbodentraining

Gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur ist bei Belastungsinkontinenz die wichtigste Maßnahme und hilft auch bei Mischformen. Es wirkt am besten, wenn man es unter Anleitung lernt, etwa in der Physiotherapie, und dann regelmäßig über Monate übt. Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden. Biofeedback-Geräte oder Elektrostimulation können das Training unterstützen.

Blasentraining und Verhaltensänderungen

Bei Dranginkontinenz lernen Betroffene, die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern. Hilfreich sind außerdem eine über den Tag verteilte Trinkmenge, weniger Kaffee und Alkohol, die die Blase reizen können, eine geregelte Verdauung ohne Verstopfung und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme.

Medikamente

Bei einer überaktiven Blase können Medikamente den Harndrang dämpfen. Einige davon haben Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung oder bei älteren Menschen Verwirrtheit, andere können den Blutdruck beeinflussen. Gerade bei mehreren Herzmedikamenten muss die Auswahl sorgfältig abgestimmt werden. Bei Frauen nach den Wechseljahren kann eine örtliche Hormonbehandlung der Scheidenschleimhaut helfen.

Hilfen und Eingriffe

Bei Belastungsinkontinenz von Frauen können Pessare, die in die Scheide eingesetzt werden, die Harnröhre stützen. Reichen konservative Maßnahmen nicht, gibt es operative Verfahren, etwa spannungsfreie Bänder unter der Harnröhre. Bei Männern nach einer Prostataoperation kommen unter anderem Schlingen oder ein künstlicher Schließmuskel in Frage. Bei Überlaufinkontinenz wird das Abflusshindernis behandelt, manchmal ist ein Katheter nötig.

Hilfsmittel für den Alltag

Aufsaugende Hilfsmittel wie Einlagen, Vorlagen und Inkontinenzhosen geben Sicherheit, ersetzen aber nicht die Suche nach der Ursache. Für Männer gibt es zusätzlich Urinalkondome und Auffangbeutel. Bei medizinischer Notwendigkeit können diese Hilfsmittel ärztlich verordnet werden. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Häufig arbeiten Kassen mit Vertragslieferanten zusammen. Lassen Sie sich beraten, welches Produkt zu Menge und Situation passt: Zu große oder falsch gewählte Produkte reizen die Haut.

Hautpflege nicht vergessen

Feuchtigkeit und Urin greifen die Haut an. Reinigen Sie den Intimbereich schonend mit Wasser oder milden, pH-neutralen Produkten, tupfen Sie trocken und verwenden Sie bei Bedarf Hautschutzcremes. Gerötete oder wunde Haut sollte früh ärztlich angeschaut werden. Bei bettlägerigen Menschen erhöht dauerhaft feuchte Haut das Risiko für Druckgeschwüre, mehr dazu unter Chronische Wunden vermeiden.

Wo es Hilfe gibt

Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis sowie urologische und gynäkologische Praxen. Daneben gibt es zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentren, spezialisierte Physiotherapie sowie Pflegeberatung für Angehörige. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft informiert über Beratungsstellen und Zentren in Ihrer Nähe.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist Inkontinenz im Alter normal?
Inkontinenz wird mit dem Alter häufiger, ist aber keine normale Alterserscheinung, die man hinnehmen muss. In vielen Fällen lässt sie sich deutlich bessern. Es lohnt sich, das Thema in der Hausarztpraxis, urologischen oder gynäkologischen Praxis anzusprechen.
Hilft es, weniger zu trinken?
Meist nicht. Wer zu wenig trinkt, hat konzentrierteren Urin, der die Blase reizt und Harnwegsinfekte begünstigt. Sinnvoller ist es, die Trinkmenge über den Tag zu verteilen und abends etwas weniger zu trinken. Bei Herzschwäche gilt die mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbarte Menge.
Bezahlt die Krankenkasse Inkontinenzeinlagen?
Aufsaugende Inkontinenzhilfen können bei medizinischer Notwendigkeit ärztlich verordnet werden. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten, abzüglich einer gesetzlichen Zuzahlung. Viele Kassen haben Verträge mit bestimmten Lieferanten. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach dem Ablauf.