Gesundheits-Apps und Tagebücher: Werte selbst dokumentieren
Vor- und Nachteile von Papier und App, was eine gute Gesundheits-App ausmacht, was hinter den Apps auf Rezept steckt und wie Sie Ihre Gesundheitsdaten schützen.
Wer mit einer Herzschwäche lebt, hat viele Werte im Blick: das tägliche Gewicht, Blutdruck und Puls, manchmal den Blutzucker, dazu Beschwerden wie Atemnot oder Schwellungen. Diese Werte selbst aufzuschreiben, hilft Ihnen und Ihrem Behandlungsteam, Veränderungen früh zu erkennen. Ob Sie das auf Papier oder mit einer App tun, ist zweitrangig. Diese Seite hilft bei der Entscheidung und erklärt, worauf Sie bei Apps achten sollten. Eine Druckvorlage für Papier finden Sie auf der Seite Patiententagebuch.
Was Sie dokumentieren sollten
- Gewicht: jeden Morgen unter gleichen Bedingungen. Wie das geht, erklärt der Beitrag Täglich wiegen bei Herzschwäche.
- Blutdruck und Puls: nach Absprache mit Ihrer Praxis, zum Beispiel morgens und abends.
- Beschwerden: Atemnot, Schwellungen, Schwindel, nächtlicher Husten, Zahl der Kissen zum Schlafen.
- Medikamente: Änderungen, vergessene Einnahmen, Nebenwirkungen.
- Besonderheiten: Infekte, ungewöhnlich salzige Mahlzeiten, Hitze, Reisen.
- Bei Bedarf: Trinkmenge, Blutzucker, Stimmung.
Papier oder App: ein Vergleich
| Kriterium | Papier | App |
|---|---|---|
| Einstieg | Sofort möglich, keine Technik nötig | Smartphone und etwas Einarbeitung nötig |
| Übersicht | Tabelle, Verlauf durch Blättern | Grafische Verläufe, Durchschnittswerte |
| Erinnerung | Nur durch eigene Routine | Erinnerungsfunktion möglich |
| Messgeräte | Werte von Hand übertragen | Manche Geräte übertragen Werte automatisch |
| Weitergabe | Mitnehmen oder kopieren | Bericht drucken oder Datei teilen |
| Datenschutz | Liegt bei Ihnen zu Hause | Hängt vom Anbieter ab |
| Ausfallrisiko | Gering | Akku, Updates, Wechsel des Handys |
Viele Menschen kombinieren beides: eine App für die tägliche Erfassung und einen Ausdruck für den Arzttermin. Wichtig ist, dass Sie eine Form wählen, die Sie langfristig beibehalten.
Was eine gute Gesundheits-App ausmacht
- Einfache Bedienung: große Schrift, klare Eingabefelder, wenige Schritte.
- Passende Werte: Gewicht, Blutdruck und Puls sollten sich eingeben lassen, möglichst auch Beschwerden und Notizen.
- Grenzwerte: Hilfreich ist, wenn Sie Ihre persönlichen, mit der Praxis vereinbarten Grenzen hinterlegen können.
- Export: Ein Bericht zum Ausdrucken oder als Datei erleichtert das Arztgespräch.
- Transparenter Anbieter: Ein vollständiges Impressum, eine verständliche Datenschutzerklärung und ein Serverstandort in der EU sind gute Zeichen.
- Keine Heilsversprechen: Seien Sie skeptisch bei Apps, die Diagnosen stellen oder Therapien ändern wollen.
Apps auf Rezept: digitale Gesundheitsanwendungen
Seit 2020 können gesetzlich Versicherte bestimmte Apps auf Rezept erhalten. Diese digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, wurden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft, unter anderem auf Sicherheit, Datenschutz und einen nachgewiesenen Nutzen. Sie stehen in einem öffentlichen Verzeichnis. Eine DiGA kann ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden. Bei passender Diagnose kann man sie auch direkt bei der Krankenkasse beantragen. Welche Anwendungen es für Ihre Erkrankungen gibt, zeigt das Verzeichnis. Fragen Sie in Ihrer Praxis, ob eine DiGA für Sie sinnvoll ist.
Telemonitoring bei Herzschwäche
Beim Telemonitoring werden Messwerte wie Gewicht, Blutdruck oder Daten eines implantierten Geräts regelmäßig an ein betreuendes Zentrum übertragen und dort ausgewertet. Für bestimmte Menschen mit Herzschwäche kann das eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse sein. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, klärt Ihre Kardiologie.
Datenschutz
Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert. Lesen Sie vor der Nutzung, welche Daten eine App sammelt und an wen sie weitergegeben werden. Kostenlose Apps finanzieren sich manchmal über Werbung oder Datenverwertung. Nutzen Sie eine Bildschirmsperre auf dem Handy und sichern Sie Ihre Daten regelmäßig. Wenn Sie unsicher sind, ist ein Papiertagebuch eine gute Alternative.
Medikamente und Erinnerungen
Viele Apps können auch an die Medikamenteneinnahme erinnern. Weitere Tipps für eine zuverlässige Einnahme gibt der Beitrag Therapietreue: Tipps, um Medikamente nicht zu vergessen. Wer Blutdruck misst, findet Hinweise zur richtigen Messung im Beitrag Bluthochdruck als Ursache für Herzschwäche.
Fragen und Antworten
- Was ist eine DiGA?
- DiGA steht für digitale Gesundheitsanwendung. Das sind geprüfte Apps oder Webanwendungen, die in ein Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgenommen wurden. Sie können ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden, die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dann die Kosten.
- Kann meine Praxis meine App-Daten sehen?
- Nur, wenn Sie die Daten teilen, etwa als Ausdruck, als Datei oder über eine Funktion der App. Manche Anwendungen bieten einen Bericht zum Ausdrucken an. Fragen Sie Ihre Praxis, in welcher Form sie die Werte am liebsten sieht.
- Ist eine Papierliste schlechter als eine App?
- Nein. Für die Behandlung zählt, dass die Werte regelmäßig und richtig erfasst werden. Eine Papierliste ist einfach, funktioniert ohne Strom und lässt sich in der Praxis leicht durchsehen. Wählen Sie die Form, die Sie dauerhaft durchhalten.
Weiterlesen
- Bluthochdruck
Warum dauerhaft erhöhter Blutdruck zu den häufigsten Ursachen einer Herzschwäche zählt, wie Sie Ihren Blutdruck zu Hause richtig messen und was Sie selbst tun können.
- Täglich wiegen
Die wichtigste Alltagsgewohnheit bei Herzschwäche Schritt für Schritt: richtige Bedingungen, passende Waage, Grenzwerte aus der Leitlinie und was Sie bei einem Anstieg tun.