Schlafapnoe und Herzinsuffizienz: Die unterschätzte Verbindung
Warum Atemaussetzer im Schlaf bei Herzschwäche so häufig sind, wie sich obstruktive und zentrale Schlafapnoe unterscheiden, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlung infrage kommt.
Viele Menschen mit Herzschwäche schlafen schlecht. Sie wachen häufig auf, fühlen sich morgens wie gerädert und kämpfen tagsüber mit Müdigkeit. Oft wird das der Herzerkrankung oder den nächtlichen Toilettengängen zugeschrieben. Manchmal steckt aber eine Schlafapnoe dahinter, also wiederholte Atemaussetzer im Schlaf. Sie kommt bei Herzschwäche häufig vor, wird aber oft nicht erkannt. Diese Seite erklärt die Zusammenhänge. Weitere Begleiterkrankungen beschreibt die Seite Begleiterkrankungen.
Was bei einer Schlafapnoe passiert
Während einer Atempause sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Der Körper reagiert mit einer Stressreaktion: Puls und Blutdruck steigen, Stresshormone werden ausgeschüttet, und man wacht kurz auf, meist ohne es zu bemerken. Das kann sich viele Male pro Stunde wiederholen. Der Schlaf wird zerstückelt, das Herz kommt nachts nicht zur Ruhe.
Zwei Formen mit unterschiedlichen Ursachen
| Merkmal | Obstruktive Schlafapnoe | Zentrale Schlafapnoe |
|---|---|---|
| Was passiert | Die oberen Atemwege fallen im Schlaf zusammen, der Körper versucht weiterzuatmen | Der Atemantrieb aus dem Gehirn setzt zeitweise aus |
| Typische Zeichen | Lautes Schnarchen, Atempausen, Aufschnappen nach Luft | Oft wenig Schnarchen, an- und abschwellende Atmung mit Pausen |
| Häufige Risikofaktoren | Übergewicht, Alkohol am Abend, Rückenlage, enge Atemwege | Herzschwäche mit Wassereinlagerungen, Vorhofflimmern, bestimmte Medikamente |
Bei der zentralen Schlafapnoe zeigt sich oft ein typisches Muster: Die Atmung wird langsam tiefer, dann flacher, setzt aus und beginnt von Neuem. Fachleute sprechen von Cheyne-Stokes-Atmung. Sie hängt eng mit der Herzschwäche zusammen. Viele Betroffene haben auch beide Formen gleichzeitig.
Warum die Schlafapnoe dem Herzen schadet
Die wiederholten Stressreaktionen in der Nacht belasten das Herz. Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe kann den Blutdruck erhöhen, Vorhofflimmern begünstigen und eine bestehende Herzschwäche verschlechtern. Mehr dazu in den Beiträgen Bluthochdruck als Ursache für Herzschwäche und Vorhofflimmern und Herzschwäche.
Warnzeichen
- lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Pausen, die der Partner bemerkt
- Aufwachen mit Luftnot oder Herzrasen
- unruhiger, nicht erholsamer Schlaf, häufiges nächtliches Wasserlassen
- morgendliche Kopfschmerzen und Mundtrockenheit
- ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Einnicken beim Lesen, Fernsehen oder gar am Steuer
- Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit
Achtung: Nächtliche Luftnot kann auch direkt von der Herzschwäche kommen, wenn sich im Liegen Flüssigkeit in der Lunge staut. Mehr dazu im Beitrag Atemnot im Liegen.
Wie die Diagnose gestellt wird
Bei Verdacht kann zunächst eine Untersuchung mit einem tragbaren Gerät zu Hause erfolgen, das Atmung, Sauerstoffgehalt und Puls in der Nacht aufzeichnet. Bei auffälligen Ergebnissen oder wenn eine zentrale Schlafapnoe vermutet wird, folgt meist eine Untersuchung in einem Schlaflabor. Dort werden über Nacht zusätzlich Hirnströme, Muskelaktivität und Atembewegungen gemessen. So lässt sich unterscheiden, welche Form vorliegt und wie ausgeprägt sie ist.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Form der Schlafapnoe und nach der Herzfunktion. Sie wird gemeinsam von Schlafmedizin und Kardiologie geplant.
- Obstruktive Schlafapnoe: Die häufigste Behandlung ist eine Atemmaske, die über Nacht einen leichten Überdruck erzeugt und die Atemwege offen hält (CPAP). Unterstützend helfen Gewichtsabnahme, Verzicht auf Alkohol am Abend und das Vermeiden der Rückenlage. Für manche Betroffene kommen Unterkieferschienen oder andere Verfahren infrage.
- Zentrale Schlafapnoe: Hier steht zunächst die bestmögliche Behandlung der Herzschwäche im Vordergrund, denn eine bessere Herzfunktion und weniger Wassereinlagerungen verringern oft die Atemaussetzer. Für bestimmte Beatmungsverfahren bei zentraler Schlafapnoe gibt es bei stark eingeschränkter Pumpfunktion Einschränkungen. Welche Behandlung geeignet ist, entscheiden Schlafmedizin und Kardiologie gemeinsam.
Was Sie selbst tun können
- Sprechen Sie Schnarchen, Atempausen und Tagesmüdigkeit in der Praxis an. Bitten Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin, nachts auf Atempausen zu achten.
- Meiden Sie Alkohol und Schlafmittel am Abend, weil sie die Atemwege erschlaffen lassen.
- Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die obstruktive Form deutlich bessern.
- Wiegen Sie sich täglich und halten Sie Ihre Herzmedikamente zuverlässig ein. Das hilft auch gegen die zentrale Form. Weitere Tipps finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.
- Wenn Sie eine Atemmaske bekommen, nutzen Sie sie jede Nacht. Bei Problemen mit dem Sitz oder Trockenheit helfen das Schlaflabor oder der Gerätelieferant weiter.
Fragen und Antworten
- Ist Schnarchen schon eine Schlafapnoe?
- Nicht unbedingt. Viele Menschen schnarchen, ohne dass die Atmung aussetzt. Verdächtig sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit beobachteten Atempausen, plötzliches Aufschnappen nach Luft und ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Dann lohnt sich eine Untersuchung.
- Darf ich mit Schlafapnoe Auto fahren?
- Eine unbehandelte Schlafapnoe mit starker Tagesmüdigkeit erhöht das Unfallrisiko deutlich. Wer am Steuer müde wird oder kurz einnickt, sollte nicht fahren, bis die Erkrankung behandelt ist. Klären Sie die Fahreignung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Kann die Behandlung der Herzschwäche die Schlafapnoe bessern?
- Bei der zentralen Schlafapnoe ja, häufig. Sie hängt eng mit der Herzfunktion und Wassereinlagerungen zusammen. Wird die Herzschwäche besser behandelt, nehmen die Atemaussetzer oft ab. Bei der obstruktiven Form spielen eher Übergewicht und die Anatomie der Atemwege eine Rolle.
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