Begleiterkrankungen

Diabetes und Herz: Warum Diabetiker ihr Herz besonders schützen müssen

Wie ein dauerhaft erhöhter Blutzucker Gefäße und Herzmuskel schädigt, welche Behandlung beide Erkrankungen berücksichtigt und was Menschen mit Diabetes selbst tun können.

Diabetes und Herzschwäche treten häufig gemeinsam auf. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln im Laufe der Jahre Herzprobleme, und umgekehrt hat ein großer Teil der Menschen mit Herzschwäche auch einen Diabetes. Die gute Nachricht: Wer die Zusammenhänge kennt, kann viel tun, um das Herz zu schützen. Diese Seite erklärt, warum Diabetes das Herz gefährdet, welche Behandlung beide Erkrankungen berücksichtigt und worauf Sie im Alltag achten sollten. Weitere Begleiterkrankungen beschreibt die Seite Begleiterkrankungen.

Wie Diabetes das Herz schädigt

Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker greift die Gefäßwände an. In den großen Gefäßen, auch in den Herzkranzgefäßen, fördert er Ablagerungen. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkte, eine der häufigsten Ursachen einer Herzschwäche. In den feinen Gefäßen schädigt er die Versorgung von Nieren, Augen, Nerven und auch des Herzmuskels.

Darüber hinaus kann Diabetes den Herzmuskel direkt verändern. Er wird steifer und weniger leistungsfähig, auch ohne Verengung der Herzkranzgefäße. Häufig kommen weitere Risikofaktoren hinzu, etwa Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhte Blutfette. Gemeinsam belasten sie das Herz über viele Jahre.

Ein besonderer Punkt: Durch Nervenschäden spüren Menschen mit Diabetes Herzbeschwerden manchmal weniger deutlich. Ein Herzinfarkt kann mit schwachen oder untypischen Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit oder Schwäche einhergehen. Nehmen Sie solche Zeichen ernst.

Diabetesmittel, die das Herz schützen

Die Behandlung des Diabetes hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Bei der Auswahl der Medikamente achten Fachleute heute nicht nur auf den Blutzucker, sondern auch auf Herz und Nieren:

  • SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin und Empagliflozin senken den Blutzucker und haben in Studien Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche verringert. Sie werden bei Herzschwäche auch ohne Diabetes eingesetzt. Mehr dazu im Beitrag SGLT2-Hemmer bei Herzschwäche.
  • GLP-1-Rezeptoragonisten können bei Menschen mit Diabetes und Gefäßerkrankungen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken und beim Abnehmen helfen.
  • Metformin bleibt bei vielen ein Basismittel, solange die Nierenfunktion ausreicht.
  • Einige Mittel gelten bei Herzschwäche als ungünstig, etwa Glitazone, die Wassereinlagerungen fördern können.

Welche Kombination für Sie passt, entscheidet Ihre Praxis gemeinsam mit Ihnen. Ändern Sie nichts eigenmächtig.

Unterzuckerungen vermeiden

Unterzuckerungen belasten das Herz. Sie können Herzrasen und Rhythmusstörungen auslösen und führen gerade bei älteren Menschen zu Stürzen. Bei Herzschwäche wird deshalb oft ein etwas weniger strenger Blutzuckerzielwert gewählt. Unterzuckerungen treten vor allem unter Insulin und bestimmten Tabletten auf. Betablocker können die Warnzeichen wie Zittern und Herzklopfen abschwächen. Tragen Sie immer Traubenzucker bei sich und sprechen Sie wiederholte Unterzuckerungen in der Praxis an.

Die übrigen Risikofaktoren

  • Blutdruck: Eine gute Blutdruckeinstellung ist bei Diabetes besonders wichtig, mehr dazu im Beitrag Bluthochdruck als Ursache für Herzschwäche.
  • Blutfette: Erhöhte Cholesterinwerte werden bei Diabetes oft frühzeitig behandelt.
  • Gewicht und Bewegung: Regelmäßige Bewegung verbessert den Blutzucker und die Belastbarkeit.
  • Rauchstopp: Rauchen verstärkt die Gefäßschäden erheblich.
  • Nieren: Diabetes und Herzschwäche belasten beide die Nieren. Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte und des Eiweißes im Urin gehören dazu.

Die Füße im Blick

Diabetes kann Nerven und Durchblutung der Füße schädigen. Druckstellen, kleine Verletzungen oder Blasen werden dann nicht bemerkt und heilen schlecht. Wassereinlagerungen bei Herzschwäche belasten die Haut zusätzlich. Schauen Sie Ihre Füße deshalb jeden Tag an, auch zwischen den Zehen. Wie die tägliche Fußpflege geht, beschreibt der Beitrag Diabetischer Fuß: Tägliche Fußpflege und Warnzeichen.

Werte im Überblick behalten

Wer Diabetes und Herzschwäche hat, behält viele Werte im Blick: Blutzucker, Langzeitzuckerwert, Gewicht, Blutdruck, Puls. Ein gemeinsames Tagebuch hilft, den Überblick zu bewahren und im Arztgespräch alle Informationen dabeizuhaben. Eine Vorlage finden Sie im Patiententagebuch. Für viele Menschen mit Diabetes gibt es außerdem strukturierte Behandlungsprogramme der Krankenkassen mit regelmäßigen Kontrollen und Schulungen, mehr dazu im Beitrag Disease-Management-Programme.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Diabetesmittel sind bei Herzschwäche günstig?
SGLT2-Hemmer haben in Studien Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche verringert und werden deshalb oft bevorzugt. Metformin kann bei stabiler Herzschwäche und ausreichender Nierenfunktion meist weiter genommen werden. Einige ältere Mittel wie Glitazone gelten bei Herzschwäche als ungünstig. Die Auswahl trifft Ihre Praxis.
Wie streng muss mein Blutzucker eingestellt sein?
Das hängt von Alter, Begleiterkrankungen und dem Risiko für Unterzuckerungen ab. Bei Herzschwäche wird oft ein etwas weniger strenger Zielwert gewählt, weil Unterzuckerungen das Herz belasten und Stürze verursachen können. Ihren persönlichen Zielwert legen Sie mit Ihrer Praxis fest.
Warum sind die Füße bei Diabetes so wichtig?
Diabetes kann Nerven und Durchblutung der Füße schädigen. Kleine Verletzungen werden dann nicht bemerkt und heilen schlecht. Bei Herzschwäche kommen oft Wassereinlagerungen hinzu, die die Haut zusätzlich belasten. Tägliches Anschauen der Füße hilft, Probleme früh zu erkennen.