Links- und Rechtsherzinsuffizienz: Die Unterschiede
Welche Herzhälfte geschwächt ist, bestimmt die Beschwerden: Atemnot und Husten bei der linken, geschwollene Beine und ein voller Bauch bei der rechten Seite.
Das Herz besteht aus zwei Pumpen, die nebeneinander arbeiten. Die rechte Herzhälfte nimmt das sauerstoffarme Blut aus dem Körper auf und pumpt es in die Lunge. Die linke Herzhälfte empfängt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge und pumpt es mit hohem Druck in den gesamten Körper. Wird eine dieser Pumpen schwächer, staut sich das Blut vor ihr zurück. Wo dieser Rückstau entsteht, bestimmt, welche Beschwerden auftreten. Einen allgemeinen Überblick über die Erkrankung finden Sie unter Herzschwäche verstehen.
Linksherzinsuffizienz: Stau in die Lunge
Ist die linke Herzkammer geschwächt, gelangt das Blut aus der Lunge nicht schnell genug weiter. Der Druck in den Lungengefäßen steigt, Flüssigkeit tritt in das Lungengewebe über. Typische Zeichen sind:
- Atemnot bei Belastung, später auch bei geringer Anstrengung
- Atemnot im Liegen und nächtliche Luftnot
- trockener Husten, vor allem nachts
- rasche Erschöpfung und Leistungsschwäche, weil der Körper weniger Blut erhält
- in schweren Fällen ein Lungenödem mit lebensbedrohlicher Atemnot
Häufige Ursachen der Linksherzinsuffizienz sind die koronare Herzkrankheit mit oder ohne Herzinfarkt, langjähriger Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzklappen, etwa eine Verengung der Aortenklappe, und Erkrankungen des Herzmuskels selbst. Wie die nächtliche Atemnot entsteht, erklärt der Beitrag Atemnot im Liegen.
Rechtsherzinsuffizienz: Stau in den Körper
Ist die rechte Herzkammer geschwächt, staut sich das Blut in die großen Venen zurück. Die Flüssigkeit sammelt sich dort, wo die Schwerkraft sie hinzieht, und in den Organen vor dem Herzen. Typische Zeichen sind:
- Schwellungen an Knöcheln und Unterschenkeln, bei Bettlägerigen auch am Rücken und Gesäß
- gestaute, deutlich sichtbare Halsvenen
- Druckgefühl im rechten Oberbauch durch eine gestaute Leber
- Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Übelkeit durch einen gestauten Magen-Darm-Trakt
- Wasser im Bauchraum, ein dicker werdender Bauch
- häufiges nächtliches Wasserlassen, weil Wasser aus den Beinen im Liegen zurückströmt
- Gewichtszunahme durch eingelagertes Wasser
Die häufigste Ursache einer Rechtsherzinsuffizienz ist eine bestehende Linksherzschwäche. Der dauerhafte Rückstau erhöht den Druck in der Lunge, gegen den die rechte Kammer anpumpen muss. Weitere Ursachen sind Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenembolien, ein Lungenhochdruck anderer Ursache und Erkrankungen der rechtsseitigen Herzklappen. Wenn das Herz infolge einer Lungenerkrankung leidet, spricht man auch von einem Cor pulmonale. Mehr über geschwollene Beine lesen Sie unter Wassereinlagerungen bei Herzschwäche.
Globale Herzinsuffizienz
Sind beide Herzhälften geschwächt, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz. Die Beschwerden beider Formen kommen dann zusammen: Atemnot und Husten ebenso wie Schwellungen und Gewichtszunahme. Im Verlauf einer langjährigen Erkrankung ist das nicht selten.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | Linksherzinsuffizienz | Rechtsherzinsuffizienz |
|---|---|---|
| Rückstau in | Lunge | Körpervenen, Leber, Bauchorgane, Beine |
| Leitbeschwerde | Atemnot, Husten | Schwellungen, Gewichtszunahme |
| Typische Ursachen | Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Klappenfehler, Herzmuskelerkrankung | Linksherzschwäche, Lungenerkrankungen, Lungenhochdruck, Lungenembolie |
| Hinweise in der Untersuchung | Rasselgeräusche über der Lunge, Stauung im Röntgenbild | Gestaute Halsvenen, vergrößerte Leber, Ödeme |
Wie die Unterscheidung getroffen wird
Die Beschwerden geben Hinweise, sicher unterscheiden lässt sich die Form aber nur mit Untersuchungen. Das wichtigste Werkzeug ist das Herzecho, mit dem sich beide Kammern, die Klappen und der geschätzte Druck in der Lunge beurteilen lassen. Wie die Untersuchung abläuft, lesen Sie im Beitrag Herzecho. Dazu kommen EKG, Blutwerte wie das NT-proBNP und je nach Fragestellung ein Röntgenbild, eine Lungenfunktionsprüfung oder eine Herzkatheteruntersuchung. Die einzelnen Schritte stellt die Seite Symptome und Diagnose vor.
Warum die Unterscheidung wichtig ist
Für Betroffene klingt die Einteilung zunächst theoretisch. Sie ist aber wichtig, weil sie die Suche nach der Ursache lenkt. Eine Rechtsherzschwäche durch eine Lungenerkrankung braucht eine andere Abklärung als eine Linksherzschwäche nach einem Herzinfarkt. Auch für die Selbstbeobachtung hilft das Wissen: Wer vor allem zu Wassereinlagerungen neigt, achtet besonders auf das tägliche Gewicht und die Beine. Wer eher zu Atemnot neigt, beobachtet zusätzlich, wie gut er flach liegen kann. Fragen Sie in der Praxis nach, welche Herzhälfte bei Ihnen betroffen ist und welche Warnzeichen Sie deshalb besonders im Blick behalten sollten.
Fragen und Antworten
- Welche Form ist häufiger?
- Am häufigsten beginnt eine Herzschwäche in der linken Herzhälfte, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder durch langjährigen Bluthochdruck. Eine Rechtsherzinsuffizienz entsteht oft als Folge davon, weil der Rückstau in die Lunge auf Dauer auch die rechte Herzkammer belastet.
- Kann man an geschwollenen Beinen erkennen, welche Seite betroffen ist?
- Geschwollene Beine sprechen eher für eine Beteiligung der rechten Herzhälfte, sie haben aber viele mögliche Ursachen, etwa Venenschwäche, Nieren- oder Lebererkrankungen und manche Medikamente. Welche Herzhälfte wie stark betroffen ist, zeigt erst die Untersuchung, vor allem das Herzecho.
- Wird eine Rechtsherzinsuffizienz anders behandelt?
- Teilweise. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ist die Rechtsherzschwäche eine Folge der Linksherzschwäche, steht deren Behandlung im Vordergrund. Liegt eine Lungenerkrankung oder ein Lungenhochdruck zugrunde, kommen andere Maßnahmen hinzu. Wassertabletten lindern bei beiden Formen die Stauungszeichen.
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