Symptome und Diagnose

NT-proBNP: Was der Herzschwäche-Laborwert bedeutet

Warum das Herz ein Hormon ins Blut abgibt, wenn es überlastet ist, was ein niedriger oder hoher Wert aussagt und welche Einflüsse Sie bei der Deutung kennen sollten.

Wenn der Verdacht auf eine Herzschwäche besteht, gehört eine Blutabnahme fast immer dazu. Einer der wichtigsten Werte ist das NT-proBNP. Der lange Name schreckt viele ab, das Prinzip ist aber einfach: Das Herz meldet über diesen Botenstoff, dass es überlastet ist. Diese Seite erklärt, wie der Wert entsteht, welche Grenzwerte die Leitlinie nennt und warum ein einzelner Befund immer im Zusammenhang gesehen werden muss. Einen Überblick über alle Untersuchungen finden Sie unter Symptome und Diagnose.

Woher NT-proBNP kommt

Die Herzmuskelzellen der Kammern bilden eine Vorstufe namens proBNP. Werden die Kammerwände durch zu viel Volumen oder zu hohen Druck gedehnt, geben die Zellen diese Vorstufe vermehrt ab. Im Blut zerfällt sie in zwei Teile: das wirksame Hormon BNP, das die Ausscheidung von Salz und Wasser fördert und die Gefäße weitet, und das Bruchstück NT-proBNP, das keine eigene Wirkung hat, aber länger im Blut bleibt und sich gut messen lässt.

Man kann sich das NT-proBNP also als Alarmsignal des Herzens vorstellen. Je stärker die Kammern belastet sind, desto höher fällt der Wert in der Regel aus.

Wofür der Wert genutzt wird

  • Ausschluss einer Herzschwäche: Ist der Wert niedrig, ist eine Herzschwäche als Ursache der Beschwerden unwahrscheinlich. Die europäische Leitlinie nennt für Menschen mit nicht akut aufgetretenen Beschwerden einen Wert unter 125 pg/ml. Bei akuter Atemnot in der Notaufnahme gelten höhere Grenzwerte.
  • Entscheidung über weitere Untersuchungen: Ein erhöhter Wert ist ein Grund, das Herz genauer zu untersuchen, vor allem mit einem Herzecho. Mehr dazu im Beitrag Herzecho (Echokardiographie).
  • Einschätzung des Verlaufs: Bei bekannter Herzschwäche kann der Wert helfen, den Verlauf und den Erfolg der Behandlung einzuschätzen. Ein deutlicher Anstieg kann auf eine Verschlechterung hinweisen.

Was den Wert außer dem Herzen beeinflusst

NT-proBNP ist ein empfindlicher, aber kein eindeutiger Wert. Viele Faktoren verschieben ihn:

Wert eher höher Wert eher niedriger
Höheres Lebensalter Starkes Übergewicht
Eingeschränkte Nierenfunktion
Vorhofflimmern
Lungenembolie, Lungenhochdruck
Schwere Infektionen, Blutvergiftung
Herzklappenerkrankungen, Herzinfarkt

Gerade bei älteren Menschen und bei eingeschränkter Nierenfunktion liegen die Werte oft auch ohne Herzschwäche höher. Bei starkem Übergewicht können sie dagegen trotz Herzschwäche niedrig ausfallen. Deshalb deutet die Praxis den Wert immer zusammen mit Beschwerden, Untersuchungsbefund, EKG und Herzecho.

Hinzu kommt: Unter einer bestimmten Herzmedikamenten-Kombination, dem Wirkstoff Sacubitril zusammen mit Valsartan, steigt der verwandte Wert BNP an, weil der Abbau des Hormons gehemmt wird. Das NT-proBNP ist davon nicht in gleicher Weise betroffen. Ihre Praxis weiß, welcher Test bei Ihnen sinnvoll ist.

Grenzwerte richtig lesen

Auf dem Laborbefund steht meist ein Referenzbereich. Er hängt vom verwendeten Test und manchmal vom Alter ab. Achten Sie auf die Einheit: Üblich sind pg/ml oder ng/l, beide Angaben sind zahlengleich. Werte von BNP und NT-proBNP lassen sich dagegen nicht direkt miteinander vergleichen.

Ein Wert über dem Referenzbereich bedeutet nicht automatisch eine Herzschwäche. Umgekehrt schließt ein Wert knapp darunter sie nicht in jedem Fall aus, etwa bei starkem Übergewicht. Die Leitlinien verstehen den Wert als Baustein in einem Ablauf: Beschwerden und Untersuchung, dann Laborwert und EKG, dann bei Auffälligkeiten das Herzecho. Welche Form der Herzschwäche vorliegt, zeigt erst die Messung der Pumpleistung, mehr dazu im Beitrag HFrEF, HFmrEF, HFpEF.

Verlauf statt Einzelwert

Für Menschen mit bekannter Herzschwäche ist der Verlauf meist aussagekräftiger als ein einzelner Wert. Jeder Mensch hat einen eigenen Ausgangswert, der stark von der Pumpleistung, dem Alter und der Nierenfunktion abhängt. Bitten Sie in der Praxis um eine Kopie Ihrer Laborbefunde und notieren Sie den Wert mit Datum, zum Beispiel im Patiententagebuch. So erkennen Sie gemeinsam mit dem Behandlungsteam, ob sich etwas verändert.

Verlassen Sie sich aber nicht allein auf den Laborwert. Ihre tägliche Gewichtskontrolle und Ihre Beschwerden zeigen eine Verschlechterung oft schneller, als es eine Blutabnahme kann. Wenn Sie zunehmend Atemnot haben oder Wasser einlagern, melden Sie sich, auch wenn der letzte Wert gut war.

Fragen für das Arztgespräch

  • Wie hoch ist mein aktueller Wert und wie hat er sich verändert?
  • Welche Faktoren außer dem Herzen könnten ihn bei mir beeinflussen?
  • Wie oft soll der Wert kontrolliert werden?
  • Gibt es weitere Laborwerte, auf die ich achten sollte, etwa Nierenwerte, Kalium oder Eisen?
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist ein hoher NT-proBNP-Wert gefährlich?
Der Wert selbst ist nicht gefährlich, er ist ein Signal. Ein erhöhter Wert zeigt, dass das Herz unter Belastung steht. Wie er einzuordnen ist, hängt von Ihren Beschwerden, Ihrem Alter, der Nierenfunktion und anderen Befunden ab. Besprechen Sie den Wert immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen BNP und NT-proBNP?
Beide entstehen aus derselben Vorstufe, die das Herz bildet. BNP ist das wirksame Hormon, NT-proBNP das gleichzeitig freigesetzte Bruchstück ohne eigene Wirkung. Die Zahlenwerte sind nicht direkt vergleichbar, deshalb sollte im Verlauf immer derselbe Test verwendet werden.
Kann ich den Wert selbst senken?
Nicht direkt. Der Wert sinkt meist, wenn die Herzschwäche gut behandelt ist und sich das Herz entlastet. Dazu tragen die verordneten Medikamente, eine gute Einstellung des Flüssigkeitshaushalts und die Behandlung von Begleiterkrankungen bei. Eine bestimmte Wirkstoffkombination kann den Wert eines verwandten Tests beeinflussen, das berücksichtigt Ihre Praxis.