Symptome und Diagnose

Herzinsuffizienz-Stadien: NYHA-Klassen einfach erklärt

Was die römischen Ziffern I bis IV im Arztbrief bedeuten, wie sich die NYHA-Einteilung von den Stadien A bis D unterscheidet und warum sich die Klasse verbessern kann.

Im Arztbrief steht oft ein kurzer Vermerk wie “NYHA II” oder “NYHA III”. Diese Abkürzung geht auf die New York Heart Association zurück, eine amerikanische Fachgesellschaft, die die Einteilung vor vielen Jahrzehnten eingeführt hat. Sie ist bis heute weltweit gebräuchlich, weil sie einfach ist und ohne Geräte auskommt. Grundlage ist allein die Frage, wie belastbar Sie im Alltag sind. Diese Seite erklärt, was die Klassen bedeuten, wo ihre Grenzen liegen und wie sie mit anderen Einteilungen zusammenhängen. Einen Überblick über alle Untersuchungen finden Sie unter Symptome und Diagnose.

Die vier NYHA-Klassen im Überblick

Klasse Beschwerden Beispiel aus dem Alltag
NYHA I Keine Beschwerden bei normaler körperlicher Belastung Treppensteigen und zügiges Gehen gehen ohne ungewöhnliche Atemnot
NYHA II Leichte Einschränkung, Beschwerden bei stärkerer Alltagsbelastung Atemnot beim zügigen Treppensteigen über mehrere Etagen oder beim Tragen schwerer Einkäufe
NYHA III Deutliche Einschränkung, Beschwerden schon bei leichter Belastung Atemnot beim Gehen in der Ebene, beim Duschen oder bei einer Etage Treppe
NYHA IV Beschwerden bei jeder Belastung und in Ruhe Atemnot beim Sprechen, Anziehen oder im Sitzen, oft Bettlägerigkeit

Mit Beschwerden sind vor allem Atemnot, Erschöpfung und Herzklopfen gemeint. In Ruhe fühlen sich Menschen in den Klassen I bis III in der Regel wohl. Erst in Klasse IV treten die Beschwerden auch ohne Belastung auf.

Was die NYHA-Klasse aussagt und was nicht

Die NYHA-Klasse ist eine Momentaufnahme. Sie zeigt, wie stark die Herzschwäche Ihr tägliches Leben gerade einschränkt. Damit hilft sie dem Behandlungsteam, den Verlauf zu verfolgen und Entscheidungen zu treffen, etwa ob eine Behandlung angepasst oder eine weitere Untersuchung nötig ist. Auch bei der Frage, ob bestimmte Geräte oder Medikamente infrage kommen, spielt die Klasse eine Rolle.

Die Einstufung hat aber Grenzen. Sie beruht auf Ihrer Schilderung und auf der Einschätzung der Ärztin oder des Arztes. Zwei Menschen mit ähnlichen Befunden können sich unterschiedlich belastbar fühlen. Außerdem sagt die Klasse nichts direkt über die Pumpleistung des Herzens aus. Ein Mensch mit stark verminderter Auswurfleistung kann dank guter Behandlung beschwerdefrei sein und in Klasse I liegen. Wie kräftig das Herz pumpt, misst man mit dem Herzecho und drückt es als Ejektionsfraktion aus. Mehr dazu im Beitrag HFrEF, HFmrEF, HFpEF: Was die Ejektionsfraktion aussagt.

Die Stadien A bis D

Neben den NYHA-Klassen gibt es eine zweite Einteilung, die von amerikanischen Fachgesellschaften stammt. Sie beschreibt nicht die aktuellen Beschwerden, sondern den Weg der Erkrankung:

  • Stadium A: Es bestehen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine familiäre Belastung, aber noch keine Veränderung am Herzen.
  • Stadium B: Das Herz ist bereits verändert, zum Beispiel durch eine Narbe nach einem Herzinfarkt oder eine verdickte Herzwand, es gibt aber noch keine Beschwerden.
  • Stadium C: Es liegt eine Herzschwäche mit aktuellen oder früheren Beschwerden vor.
  • Stadium D: Die Herzschwäche ist fortgeschritten und spricht trotz Behandlung kaum noch an.

Der wichtigste Unterschied: Die NYHA-Klasse kann steigen und fallen, ein Stadium nach dieser Einteilung geht dagegen nicht zurück. Beide Einteilungen ergänzen sich. Das Stadienmodell betont außerdem, wie wichtig es ist, Risikofaktoren früh zu behandeln, bevor das Herz Schaden nimmt.

Warum sich die Klasse verbessern kann

Für viele Betroffene ist es eine gute Nachricht: Die NYHA-Klasse ist kein Urteil auf Lebenszeit. Wenn Medikamente richtig eingestellt sind, Wassereinlagerungen ausgeschwemmt werden und Begleiterkrankungen wie Vorhofflimmern oder Blutarmut behandelt sind, nimmt die Belastbarkeit häufig wieder zu. Auch regelmäßiges, angepasstes Training trägt dazu bei. Wie Sie sicher in Bewegung kommen, lesen Sie unter Herzschwäche und Sport.

Umgekehrt kann sich die Klasse vorübergehend verschlechtern, etwa bei einer Lungenentzündung, bei Herzrhythmusstörungen, wenn Medikamente vergessen werden oder bei sehr salzreichem Essen. Eine plötzliche Verschlechterung ist deshalb immer ein Grund, sich bei der Praxis zu melden.

So schätzen Sie Ihre Belastbarkeit selbst ein

Es kann helfen, die eigene Belastbarkeit regelmäßig zu beobachten und zu notieren. So fällt eine Veränderung früher auf und Sie können sie im Arztgespräch genau beschreiben. Fragen, die Sie sich stellen können:

  1. Wie viele Etagen schaffe ich ohne Pause?
  2. Wie weit kann ich in der Ebene gehen, bevor ich stehen bleiben muss?
  3. Brauche ich beim Anziehen, Duschen oder Bettenmachen eine Pause?
  4. Wie viele Kissen brauche ich nachts, um gut Luft zu bekommen?

Notieren Sie die Antworten etwa einmal pro Woche, zum Beispiel im Patiententagebuch. Wichtig ist der Vergleich mit Ihrem eigenen Ausgangswert, nicht mit anderen Menschen.

Was Sie im Arztgespräch fragen können

Wenn in Ihrem Befund eine NYHA-Klasse steht, dürfen Sie nachfragen, worauf sich die Einstufung stützt und wie sie sich seit der letzten Untersuchung verändert hat. Fragen Sie auch, welche Ziele realistisch sind und welche Maßnahmen Ihre Belastbarkeit verbessern könnten. Einen allgemeinen Überblick über die Erkrankung bietet die Seite Herzschwäche verstehen.

Die NYHA-Klasse ersetzt keine Diagnose und erlaubt keine Aussage über die Prognose im Einzelfall. Sie ist ein Hilfsmittel, das zusammen mit Untersuchungsbefunden, Laborwerten und Ihrem persönlichen Befinden betrachtet wird.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann sich die NYHA-Klasse wieder verbessern?
Ja. Die NYHA-Klasse beschreibt, wie stark die Beschwerden im Moment sind. Mit passenden Medikamenten, Bewegungstraining und der Behandlung von Begleiterkrankungen rutschen viele Betroffene in eine niedrigere Klasse. Umgekehrt kann eine Verschlechterung, etwa durch einen Infekt, die Klasse vorübergehend erhöhen.
Ist NYHA I dasselbe wie eine leichte Herzschwäche?
Nicht unbedingt. NYHA I bedeutet nur, dass Sie im Alltag keine Beschwerden haben. Die Pumpleistung des Herzens kann trotzdem deutlich eingeschränkt sein. Deshalb ist die Einstufung immer zusammen mit Befunden wie dem Herzecho zu sehen.
Was ist der Unterschied zwischen NYHA-Klassen und Stadien A bis D?
Die NYHA-Klassen richten sich nach den aktuellen Beschwerden und können auf und ab gehen. Die Stadien A bis D beschreiben dagegen den Krankheitsverlauf von Risikofaktoren ohne Herzschaden bis zur fortgeschrittenen Erkrankung. Ein einmal erreichtes Stadium geht nach dieser Einteilung nicht zurück.