Disease-Management-Programme (DMP): Was strukturierte Behandlungsprogramme bieten
Wie strukturierte Behandlungsprogramme der Krankenkassen funktionieren, was ein DMP bei Herzinsuffizienz umfasst, wie die Einschreibung abläuft und welche Vorteile Sie davon haben.
Eine Herzschwäche wird oft von mehreren Stellen gleichzeitig behandelt: der Hausarztpraxis, der Kardiologie, manchmal der Klinik und weiteren Fachrichtungen. Damit dabei nichts verloren geht, gibt es in Deutschland strukturierte Behandlungsprogramme, die Disease-Management-Programme, kurz DMP. Diese Seite erklärt, was ein DMP ist, was es bei Herzinsuffizienz umfasst und wie Sie teilnehmen können. Den Überblick über die gesamte Behandlung gibt die Seite Behandlung im Überblick.
Was ein DMP ist
DMP sind Programme der gesetzlichen Krankenkassen für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Die rechtliche Grundlage steht im Fünften Buch Sozialgesetzbuch. Welche Inhalte ein Programm haben muss, legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest, das oberste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Er stützt sich dabei auf den aktuellen Stand der Leitlinien.
DMP gibt es seit vielen Jahren etwa für Diabetes, koronare Herzkrankheit, Asthma und COPD. Für die chronische Herzinsuffizienz hat der Gemeinsame Bundesausschuss ein eigenes Programm beschlossen. Die Umsetzung erfolgt über Verträge zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen. Deshalb kann das Angebot regional und je nach Kasse unterschiedlich sein. Fragen Sie bei Ihrer Kasse oder Praxis nach, ob das Programm für Sie verfügbar ist.
Was das Programm umfasst
Die genauen Inhalte richten sich nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses. Typische Bausteine sind:
- Regelmäßige Termine: Meist in festen Abständen, etwa jedes Quartal oder halbjährlich, je nach Ihrem Zustand. Dabei werden Beschwerden, Gewicht, Blutdruck, Puls und Laborwerte überprüft.
- Gemeinsame Behandlungsziele: Sie vereinbaren mit Ihrer Praxis, was Sie erreichen möchten, zum Beispiel eine bessere Belastbarkeit oder weniger Krankenhausaufenthalte.
- Leitliniengerechte Medikamente: Die Behandlung wird regelmäßig daraufhin überprüft, ob die empfohlenen Wirkstoffgruppen eingesetzt und gut eingestellt sind. Einen Überblick gibt der Beitrag Medikamente bei Herzinsuffizienz.
- Schulungen: Sie lernen, Warnzeichen zu erkennen, sich täglich zu wiegen, mit Salz und Trinkmenge umzugehen und Medikamente sicher einzunehmen.
- Koordination: Eine Praxis behält den Überblick und überweist bei Bedarf in die Kardiologie, zu Untersuchungen oder in die Reha.
- Dokumentation: Die wichtigsten Werte werden auf einem einheitlichen Bogen festgehalten und ausgewertet.
Wer teilnehmen kann
Teilnehmen können gesetzlich Versicherte mit einer gesicherten Diagnose, die den Anforderungen des Programms entspricht. Die Diagnose stützt sich unter anderem auf Beschwerden und eine Bildgebung des Herzens, meist das Herzecho. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, prüft die einschreibende Praxis. Wer bereits in einem anderen DMP ist, zum Beispiel für Diabetes, kann je nach Programm zusätzlich teilnehmen.
So läuft die Einschreibung
- Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis oder Ihre Kasse, ob es das Programm in Ihrer Region gibt und welche Praxen teilnehmen.
- Die teilnehmende Praxis prüft die Voraussetzungen und berät Sie zu den Inhalten.
- Sie unterschreiben eine Teilnahme- und Einwilligungserklärung, auch zum Umgang mit Ihren Daten.
- Die Praxis erstellt eine erste Dokumentation und vereinbart mit Ihnen Ziele und Termine.
Ihre Vorteile und Ihre Rolle
Ein DMP ersetzt keine individuelle Behandlung, es gibt ihr einen festen Rahmen. Viele Betroffene schätzen, dass Termine nicht vergessen werden und dass regelmäßig geprüft wird, ob die Behandlung noch passt. Schulungen helfen, im Alltag sicherer zu werden.
Sie können viel zum Erfolg beitragen: Bringen Sie zu jedem Termin Ihren Medikationsplan und Ihr Tagebuch mit Gewicht, Blutdruck und Beschwerden mit. Notieren Sie vorher Fragen. Und melden Sie sich bei Verschlechterungen sofort, nicht erst beim nächsten DMP-Termin. Tipps zur zuverlässigen Medikamenteneinnahme finden Sie im Beitrag Therapietreue, Grundsätzliches unter Medikamente sicher einnehmen.
DMP und Reha
Ein DMP ist eine dauerhafte Begleitung im Alltag, eine Reha dagegen ein zeitlich begrenzter, intensiver Baustein. Beides ergänzt sich. Aus dem Programm heraus kann zum Beispiel eine Reha angeregt werden, und nach einer Reha hilft das DMP, das Gelernte beizubehalten. Wie eine Reha beantragt wird, lesen Sie im Beitrag Reha bei Herzinsuffizienz.
Für privat Versicherte
DMP sind ein Angebot der gesetzlichen Krankenkassen. Private Versicherungen bieten teilweise eigene Gesundheitsprogramme an. Fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach, ob es ein vergleichbares Angebot gibt.
Fragen und Antworten
- Kostet die Teilnahme an einem DMP etwas?
- Nein. Die Teilnahme ist für gesetzlich Versicherte kostenlos. Manche Krankenkassen bieten zusätzlich Vorteile wie Bonusprogramme an. Die Einzelheiten erfahren Sie bei Ihrer Kasse.
- Muss ich im DMP meine Ärztin oder meinen Arzt wechseln?
- In der Regel nicht. Sie schreiben sich bei einer teilnehmenden Praxis ein, häufig der Hausarztpraxis, die die Koordination übernimmt. Nimmt Ihre bisherige Praxis nicht teil, können Sie entscheiden, ob Sie für das Programm eine andere Praxis wählen.
- Kann ich aus einem DMP wieder austreten?
- Ja. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit beendet werden. Wer vereinbarte Termine wiederholt nicht wahrnimmt, kann von der Kasse aus dem Programm ausgeschrieben werden.
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