Behandlung

Medikamente bei Herzinsuffizienz: Die Wirkstoffgruppen im Überblick

Die vier Säulen der Behandlung und ihre Ergänzungen laienverständlich erklärt: wie die Mittel wirken, warum sie langsam gesteigert werden und welche Kontrollen nötig sind.

Die Behandlung der Herzschwäche mit Medikamenten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Heute stehen mehrere Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die in großen Studien gezeigt haben, dass sie das Herz entlasten, Krankenhausaufenthalte verringern und das Leben verlängern können. Diese Seite erklärt die Gruppen in einfachen Worten, damit Sie Ihren Medikationsplan besser verstehen. Sie nennt bewusst keine Dosierungen. Was für Sie richtig ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam. Den Gesamtüberblick über Medikamente, Geräte und Reha gibt die Seite Behandlung im Überblick.

Die vier Säulen bei reduzierter Pumpfunktion

Die folgenden vier Gruppen bilden nach den Leitlinien die Grundlage der Behandlung bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF). Sie werden in der Regel kombiniert.

Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems

Das Renin-Angiotensin-System ist ein Hormonsystem, das bei Herzschwäche überaktiv ist. Es verengt die Gefäße und lässt den Körper Salz und Wasser zurückhalten. Dagegen wirken:

  • ACE-Hemmer, zum Beispiel Ramipril oder Enalapril. Eine typische Nebenwirkung ist trockener Reizhusten.
  • Sartane (Angiotensin-Rezeptorblocker), zum Beispiel Candesartan oder Valsartan, oft als Ersatz, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden.
  • ARNI, die Kombination aus Sacubitril und Valsartan. Sie hemmt zusätzlich den Abbau körpereigener Stoffe, die das Herz entlasten. ARNI und ACE-Hemmer dürfen nicht gleichzeitig genommen werden, beim Wechsel ist ein zeitlicher Abstand nötig.

Selten kann eine Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen auftreten. Das ist ein Notfall.

Betablocker

Betablocker schirmen das Herz vor Stresshormonen ab, senken den Puls und geben dem Herzmuskel Zeit, sich zu erholen. Bei Herzschwäche werden bestimmte Wirkstoffe eingesetzt, etwa Bisoprolol, Carvedilol, Metoprololsuccinat oder Nebivolol. Zu Beginn kann man sich müder fühlen, das bessert sich meist nach einigen Wochen.

Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA)

Spironolacton und Eplerenon blockieren das Hormon Aldosteron, das Salz und Wasser im Körper hält und den Herzmuskel umbauen kann. Weil MRA den Kaliumspiegel erhöhen können, werden Blutwerte regelmäßig kontrolliert. Spironolacton kann bei Männern eine schmerzhafte Vergrößerung der Brustdrüse auslösen.

SGLT2-Hemmer

Dapagliflozin und Empagliflozin wurden ursprünglich gegen Diabetes entwickelt. Inzwischen werden sie auch bei Menschen ohne Diabetes gegen Herzschwäche eingesetzt. Sie fördern die Ausscheidung von Zucker und Salz über die Niere. Mehr dazu, auch zu Nebenwirkungen, im Beitrag SGLT2-Hemmer bei Herzschwäche.

Wassertabletten gegen Stauungszeichen

Diuretika schwemmen eingelagertes Wasser aus und lindern Atemnot und Schwellungen rasch. Sie verbessern die Beschwerden, gehören aber nicht zu den vier Säulen, die den Verlauf langfristig verbessern. Die Dosis wird oft an das Gewicht angepasst. Praktische Hinweise zur Einnahme gibt der Beitrag Wassertabletten (Diuretika).

Weitere Medikamente für bestimmte Situationen

  • Ivabradin senkt den Puls, wenn er trotz Betablocker zu hoch bleibt und ein regelmäßiger Herzrhythmus vorliegt.
  • Vericiguat kann nach einer Verschlechterung zusätzlich infrage kommen.
  • Digitalis-Präparate werden heute nur noch in bestimmten Fällen eingesetzt, etwa bei Vorhofflimmern mit schnellem Puls.
  • Eisen als Infusion hilft bei nachgewiesenem Eisenmangel. Tabletten wirken hier meist nicht ausreichend.

Bei HFmrEF und HFpEF

Für die leicht reduzierte und die erhaltene Pumpfunktion ist die Studienlage weniger umfangreich. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt SGLT2-Hemmer auch hier. Hinzu kommen Wassertabletten bei Stauung und die konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen. Was die Einteilung bedeutet, erklärt der Beitrag HFrEF, HFmrEF, HFpEF.

Warum langsam gesteigert wird

Viele Herzmedikamente senken Blutdruck oder Puls. Damit der Körper sich daran gewöhnt, beginnt man oft mit einer kleinen Menge und steigert in Schritten. Zwischen den Schritten werden Blutdruck, Puls, Nierenwerte und Kalium kontrolliert. Das kann einige Wochen oder Monate dauern. Ziel ist die Dosis, die in Studien gewirkt hat, oder die höchste Dosis, die Sie gut vertragen.

Kontrollen und Ihre Rolle

Regelmäßige Blutabnahmen gehören dazu, weil mehrere Mittel Nieren und Salzhaushalt beeinflussen. Sie selbst können viel beitragen:

  1. Halten Sie einen aktuellen Medikationsplan bereit und zeigen Sie ihn bei jedem Arzttermin und in der Apotheke.
  2. Notieren Sie Blutdruck, Puls und Gewicht, damit die Praxis die Wirkung beurteilen kann.
  3. Melden Sie Nebenwirkungen, statt ein Mittel einfach wegzulassen.
  4. Fragen Sie vor jedem neuen Mittel, auch frei verkäuflichen, ob es zu Ihren Herzmedikamenten passt.

Bei akuten Erkrankungen mit Erbrechen, Durchfall oder Fieber kann es nötig sein, einzelne Mittel vorübergehend zu pausieren. Das sollte nur nach ärztlicher Absprache geschehen. Viele Praxen geben dafür einen schriftlichen Plan mit.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Warum muss ich so viele Tabletten gegen die Herzschwäche nehmen?
Die Wirkstoffgruppen greifen an unterschiedlichen Stellen an, und ihre Wirkung addiert sich. In Studien hat die Kombination Krankenhausaufenthalte und Todesfälle deutlich stärker gesenkt als ein einzelnes Mittel. Fragen Sie in der Praxis nach, wofür jede Tablette auf Ihrem Plan gedacht ist.
Darf ich die Medikamente absetzen, wenn es mir besser geht?
Nein, nicht ohne Rücksprache. Dass es Ihnen besser geht, ist oft gerade die Wirkung der Medikamente. Nach dem Absetzen kann sich die Herzschwäche wieder verschlechtern. Wenn Sie Nebenwirkungen haben oder die Zahl der Tabletten Sie belastet, sprechen Sie das offen an.
Welche frei verkäuflichen Mittel sollte ich meiden?
Vor allem bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen können Wassereinlagerungen fördern und die Nieren belasten. Auch manche Erkältungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Kalium sind ungünstig. Fragen Sie vor jedem neuen Mittel in der Praxis oder Apotheke nach.