Behandlung

SGLT2-Hemmer bei Herzschwäche: Was Patienten wissen sollten

Warum ein ursprüngliches Diabetesmittel heute zur Herzschwäche-Behandlung gehört, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen vorkommen und worauf Sie im Alltag achten sollten.

Viele Menschen mit Herzschwäche wundern sich, wenn sie ein Mittel verschrieben bekommen, das auf dem Beipackzettel als Diabetesmedikament beschrieben wird. Die Erklärung: SGLT2-Hemmer wurden ursprünglich zur Blutzuckersenkung entwickelt. Bei Studien fiel auf, dass sie das Herz schützen. Inzwischen sind sie auch für die Behandlung der Herzschwäche zugelassen und gehören zu den Säulen der Therapie. Diese Seite erklärt, wie sie wirken und worauf Sie im Alltag achten sollten. Den Überblick über alle Wirkstoffgruppen gibt der Beitrag Medikamente bei Herzinsuffizienz.

Wie SGLT2-Hemmer wirken

SGLT2 ist ein Transporter in der Niere, der Zucker und Salz aus dem Vorharn zurück ins Blut holt. Wird er gehemmt, scheidet die Niere mehr Zucker und Salz mit dem Urin aus, und mit dem Salz auch Wasser. Bei Herzschwäche hat das mehrere günstige Folgen: Der Körper lagert weniger Flüssigkeit ein, der Druck in den Gefäßen sinkt, und auch die Nieren werden langfristig geschützt. Wie die Mittel genau auf das Herz wirken, ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Bei Herzschwäche werden vor allem zwei Wirkstoffe eingesetzt: Dapagliflozin und Empagliflozin. Sie werden einmal täglich eingenommen. Die Wirkung tritt unabhängig davon ein, ob ein Diabetes besteht.

Für wen sie infrage kommen

Nach der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und ihrer Aktualisierung werden SGLT2-Hemmer bei Herzschwäche mit reduzierter, leicht reduzierter und erhaltener Pumpfunktion empfohlen. Ob das Mittel für Sie passt, hängt unter anderem von der Nierenfunktion, anderen Erkrankungen und Ihren übrigen Medikamenten ab. Bei bestimmten Formen des Diabetes, etwa Typ-1-Diabetes, gelten Einschränkungen. Die Entscheidung trifft Ihr Behandlungsteam.

Häufige Nebenwirkungen

  • Pilzinfektionen im Genitalbereich: Weil Zucker mit dem Urin ausgeschieden wird, finden Pilze leichter Nahrung. Typisch sind Juckreiz, Rötung und Ausfluss. Die Infektionen lassen sich meist gut behandeln.
  • Harnwegsinfekte: Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang sollten abgeklärt werden, vor allem mit Fieber.
  • Häufigeres Wasserlassen und Flüssigkeitsverlust: Besonders zusammen mit Wassertabletten kann es zu Schwindel kommen, vor allem bei Hitze.
  • Leichter Anstieg der Nierenwerte zu Beginn: Das ist meist ein erwarteter, vorübergehender Effekt und kein Grund zum Absetzen. Die Praxis kontrolliert die Werte.

Seltene, aber wichtige Nebenwirkungen

Sehr selten kann es zu einer Übersäuerung des Blutes kommen, der sogenannten Ketoazidose. Das Tückische: Sie kann bei SGLT2-Hemmern auch bei normalem oder nur leicht erhöhtem Blutzucker auftreten. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starker Durst, ungewöhnliche Müdigkeit und eine schnelle, tiefe Atmung. Das Risiko steigt bei sehr wenig Essen, schweren Erkrankungen, Operationen, viel Alkohol und bei Menschen mit Diabetes, die Insulin nehmen. Bei solchen Zeichen sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen.

Ebenfalls sehr selten ist eine schwere Infektion im Genital- und Dammbereich. Starke Schmerzen, Schwellung und Rötung dort, zusammen mit Fieber oder Krankheitsgefühl, sind ein Notfall.

Tipps für den Alltag

  1. Intimhygiene: Waschen Sie den Genitalbereich täglich mit klarem Wasser oder milder Waschlotion und trocknen Sie ihn gut ab. Wechseln Sie Inkontinenzeinlagen regelmäßig. Mehr dazu auf der Seite Kontinenz.
  2. Flüssigkeit: Halten Sie sich an die mit der Praxis vereinbarte Trinkmenge und sprechen Sie bei Hitze über eine Anpassung.
  3. Bei akuter Krankheit: Bei Erbrechen, Durchfall, Fieber oder wenn Sie kaum essen und trinken können, fragen Sie in der Praxis, ob das Mittel pausiert werden soll. Viele Praxen geben dafür eine schriftliche Regel mit.
  4. Vor Eingriffen: Sagen Sie vor jeder Operation, jeder Darmspiegelung und jedem Krankenhausaufenthalt, dass Sie einen SGLT2-Hemmer nehmen.
  5. Bei Diabetes: Wenn Sie zusätzlich Insulin oder bestimmte Tabletten gegen Diabetes nehmen, kann eine Anpassung nötig sein, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Mehr zum Zusammenspiel lesen Sie unter Diabetes und Herz.

Das Wichtigste in Kürze

SGLT2-Hemmer sind ein fester Bestandteil der modernen Herzschwäche-Behandlung. Sie werden meist gut vertragen. Wer die typischen Nebenwirkungen kennt, auf die Hygiene achtet und bei akuter Krankheit Rücksprache hält, kann die Vorteile sicher nutzen. Setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab. Weitere Informationen zur Behandlung bietet die Seite Behandlung im Überblick.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ich habe keinen Diabetes. Warum bekomme ich ein Diabetesmittel?
SGLT2-Hemmer wirken bei Herzschwäche auch ohne Diabetes. In großen Studien haben sie Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche verringert, unabhängig vom Blutzucker. Bei normalem Blutzucker senken sie diesen kaum, Unterzuckerungen sind ohne andere Diabetesmittel selten.
Warum muss ich häufiger zur Toilette?
Die Mittel lassen die Niere mehr Zucker, Salz und damit Wasser ausscheiden. Vor allem in den ersten Wochen kann das zu häufigerem Wasserlassen führen. Wer zusätzlich Wassertabletten nimmt, sollte auf Schwindel und Durst achten. Manchmal wird die Dosis der Wassertabletten angepasst.
Muss ich das Mittel vor einer Operation absetzen?
Vor größeren Operationen und bei schweren akuten Erkrankungen wird ein SGLT2-Hemmer oft für einige Tage pausiert, um eine seltene Übersäuerung des Blutes zu vermeiden. Den genauen Zeitpunkt legt das Behandlungsteam fest. Sagen Sie vor jedem Eingriff, dass Sie ein solches Mittel nehmen.