Leben im Alltag

Herzschwäche und Sport: Welche Bewegung geeignet ist

Warum Bewegung bei stabiler Herzschwäche ausdrücklich empfohlen wird, welche Sportarten sich eignen, wie Sie die richtige Belastung finden und wann Schonung angesagt ist.

Lange galt bei Herzschwäche der Rat, sich zu schonen. Heute wissen wir: Für Menschen mit stabiler Herzschwäche ist regelmäßige Bewegung eine der wichtigsten Säulen der Behandlung. Sie stärkt die Muskulatur, verbessert die Durchblutung, hebt die Stimmung und kann helfen, den Alltag selbstständiger zu bewältigen. Entscheidend ist das richtige Maß. Diese Seite zeigt, welche Bewegung geeignet ist und wie Sie sicher einsteigen. Weitere Alltagstipps finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Warum Bewegung hilft

Eine Herzschwäche betrifft nicht nur das Herz. Wer sich wenig bewegt, verliert Muskelkraft, die Gefäße werden weniger elastisch, und der Körper verwertet Sauerstoff schlechter. Das verstärkt die Erschöpfung und die Atemnot. Regelmäßiges Training kann diesen Kreislauf durchbrechen. Studien haben gezeigt, dass Bewegungstraining bei stabiler Herzschwäche die Belastbarkeit und die Lebensqualität verbessern und Krankenhausaufenthalte verringern kann. Das Herz selbst wird dadurch zwar nicht geheilt, aber der Körper lernt, mit der vorhandenen Pumpleistung besser auszukommen.

Vor dem Start: ärztliche Rücksprache

Bevor Sie mit einem Training beginnen, sollten Sie mit Ihrer Kardiologie oder Hausarztpraxis sprechen. Oft wird vorher ein Belastungstest gemacht, etwa auf dem Fahrradergometer. Er zeigt, bis zu welcher Belastung Ihr Herz gut mitmacht, und hilft, den passenden Pulsbereich festzulegen. Wichtig ist, dass Ihre Herzschwäche stabil ist und die Medikamente eingestellt sind. Wie stark Sie im Alltag eingeschränkt sind, beschreibt die NYHA-Klasse, mehr dazu im Beitrag NYHA-Klassen einfach erklärt.

Geeignete Bewegungsformen

Bewegungsform Warum sie sich eignet Hinweise
Gehen, Walking Überall möglich, gut dosierbar Mit flachen Strecken beginnen, Steigungen später
Radfahren, Ergometer Belastung genau steuerbar, gelenkschonend Ergometer zu Hause ist wetterunabhängig
Wassergymnastik Schont Gelenke, entspannt Warmes Wasser, bei fortgeschrittener Herzschwäche vorher klären
Leichtes Krafttraining Erhält Muskelkraft für den Alltag Geringe Gewichte, viele Wiederholungen, keine Pressatmung
Gymnastik, Tanzen Fördert Gleichgewicht und Beweglichkeit Ruhiges Tempo wählen

Weniger geeignet sind Sportarten mit plötzlichen Spitzenbelastungen, schwerem Heben, Wettkampfcharakter oder großer Kälte und Hitze. Wer einen Defibrillator trägt, sollte zusätzlich Sportarten mit Schlägen auf den Brustkorb meiden.

Die richtige Belastung finden

  • Sprechtest: Sie sollten sich während der Bewegung noch in ganzen Sätzen unterhalten können. Wenn Sie nur noch einzelne Worte herausbringen, ist es zu viel.
  • Anstrengungsempfinden: Die Belastung sollte sich mäßig anfühlen, etwa “etwas anstrengend”, nicht “sehr anstrengend”.
  • Puls: Wenn Ihnen ein Pulsbereich genannt wurde, behalten Sie ihn mit einer Pulsuhr im Blick. Beachten Sie, dass Betablocker den Puls senken und gewohnte Faustformeln dann nicht gelten.
  • Langsam steigern: Beginnen Sie mit wenigen Minuten und verlängern Sie die Dauer schrittweise. Erst wenn die Dauer gut klappt, steigern Sie das Tempo.
  • Aufwärmen und Abwärmen: Einige Minuten langsames Gehen oder Treten vorher und nachher entlasten das Herz.

Herzsportgruppen und Reha

Den besten Einstieg bietet oft eine kardiologische Reha. Dort lernen Sie unter Aufsicht, wie viel Ihnen guttut. Danach können Sie in einer Herzsportgruppe weitertrainieren, in der eine Ärztin oder ein Arzt anwesend ist und eine speziell ausgebildete Übungsleitung das Training anpasst. Für Menschen mit Herzschwäche gibt es mancherorts eigene Gruppen mit besonders angepasster Belastung. Herzsport kann ärztlich als Rehabilitationssport verordnet werden. Wie Sie zur Reha kommen, steht im Beitrag Reha bei Herzinsuffizienz.

Wann Sie pausieren sollten

Verzichten Sie auf Training, wenn Ihre Beschwerden sich gerade verschlechtern, Sie Fieber oder einen Infekt haben, Ihr Gewicht über die vereinbarten Grenzen gestiegen ist oder nach einer Medikamentenumstellung Schwindel auftritt. Brechen Sie sofort ab bei Brustschmerz, starker Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder ungewohntem Herzstolpern. Bessern sich die Beschwerden nicht rasch, rufen Sie den Notruf 112.

Bewegung im Alltag

Nicht nur Sport zählt. Jede Bewegung im Alltag hilft: Treppe statt Aufzug, kurze Wege zu Fuß, Gartenarbeit in Maßen, ein täglicher Spaziergang. Wer wenig belastbar ist, kann mit Übungen im Sitzen beginnen, etwa Fußwippen, Arme heben oder Aufstehen und Hinsetzen. Notieren Sie, was Sie geschafft haben, etwa im Patiententagebuch. Das motiviert und zeigt Ihrem Behandlungsteam, wie sich Ihre Belastbarkeit entwickelt.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist Krafttraining bei Herzschwäche erlaubt?
Leichtes bis moderates Krafttraining mit vielen Wiederholungen und geringem Gewicht wird meist als Ergänzung zum Ausdauertraining empfohlen. Pressatmung und schweres Heben sollten Sie vermeiden. Lassen Sie sich die Übungen am besten in der Reha oder Herzsportgruppe zeigen.
Wie oft sollte ich mich bewegen?
Viele Fachleute empfehlen, an möglichst vielen Tagen der Woche aktiv zu sein, mit kurzen Einheiten zu beginnen und diese langsam zu verlängern. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität. Den passenden Umfang legen Sie mit Ihrer Praxis fest.
Darf ich schwimmen gehen?
Wassergymnastik in warmem Wasser ist für viele gut geeignet. Beim Schwimmen drückt das Wasser auf den Körper, und mehr Blut fließt zum Herzen. Bei fortgeschrittener Herzschwäche kann das belasten. Ob Schwimmen für Sie passt, sollten Sie ärztlich klären.