Leben im Alltag

Herzschwäche im Alter: Besonderheiten bei älteren Menschen

Warum eine Herzschwäche im höheren Alter oft anders aussieht, welche Rolle viele Medikamente, Begleiterkrankungen und Stürze spielen und was Betroffene und Angehörige tun können.

Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit der Herzschwäche deutlich zu. Viele Betroffene sind über 70 oder 80 Jahre alt. Gleichzeitig bringt das höhere Lebensalter Besonderheiten mit sich: andere Beschwerden, mehr Begleiterkrankungen, mehr Medikamente und andere Ziele. Diese Seite beschreibt, worauf es bei älteren Menschen mit Herzschwäche ankommt und wie Angehörige unterstützen können. Aussagen zur Lebenserwartung macht sie bewusst nicht, denn der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Weitere Alltagstipps finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Warum das Herz im Alter anfälliger wird

Im Laufe des Lebens werden Herzmuskel und Gefäße steifer. Bluthochdruck, Diabetes, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und Herzklappenerkrankungen, etwa eine Verengung der Aortenklappe, sammeln sich an. Bei älteren Menschen, besonders bei Frauen, tritt häufig eine Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion auf. Das Herz pumpt dabei mit normaler Kraft, ist aber steif und füllt sich schlecht. Mehr dazu im Beitrag HFrEF, HFmrEF, HFpEF.

Untypische Beschwerden

Ältere Menschen bewegen sich oft weniger. Deshalb fällt Atemnot bei Belastung manchmal nicht auf. Stattdessen zeigen sich andere Zeichen:

  • zunehmende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Verwirrtheit oder Konzentrationsprobleme
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust trotz Wassereinlagerungen
  • Schlafstörungen und häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Stürze oder Unsicherheit beim Gehen

Diese Beschwerden werden leicht dem Alter zugeschrieben. Wenn sie neu auftreten oder zunehmen, lohnt sich eine ärztliche Abklärung.

Viele Erkrankungen, viele Medikamente

Bei älteren Menschen bestehen oft mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig, zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Nierenschwäche, Arthrose, Vorhofflimmern oder eine Lungenerkrankung. Fachleute sprechen von Multimorbidität. Jede Erkrankung bringt eigene Medikamente mit. Werden regelmäßig fünf oder mehr Mittel eingenommen, spricht man von Polypharmazie. Das erhöht das Risiko für Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.

Typische Probleme sind Schwindel und Blutdruckabfall beim Aufstehen, Verschlechterung der Nierenwerte, Veränderungen der Blutsalze und Verwirrtheit. Manche Mittel, die für jüngere Menschen gut geeignet sind, gelten für Ältere als problematisch. Eine Orientierung bietet die PRISCUS-Liste. Auch frei verkäufliche Mittel wie bestimmte Schmerz- und Schlafmittel können ungünstig sein.

Was hilft:

  1. Ein vollständiger, aktueller Medikationsplan, der bei jedem Termin gezeigt wird.
  2. Eine regelmäßige Überprüfung aller Medikamente, etwa einmal im Jahr oder nach jedem Krankenhausaufenthalt. Fragen Sie gezielt, ob alle Mittel noch nötig sind.
  3. Eine Hausarztpraxis, die den Überblick über alle Verordnungen behält.
  4. Hilfen wie ein Wochendosierer, mehr dazu auf der Seite Medikamente sicher einnehmen.

Stürze vermeiden

Herzmedikamente, Wassertabletten, nächtliche Toilettengänge und Muskelschwäche erhöhen die Sturzgefahr. Einfache Maßnahmen helfen: langsam aufstehen und kurz auf der Bettkante sitzen bleiben, Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette, Stolperfallen wie lose Teppiche entfernen, Haltegriffe im Bad, festes Schuhwerk. Regelmäßige Bewegung, auch leichtes Kraft- und Gleichgewichtstraining, stärkt die Muskeln.

Ernährung und Trinken

Im Alter lassen Appetit und Durstgefühl oft nach. Gleichzeitig ist eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß wichtig, damit die Muskeln erhalten bleiben. Eine sehr strenge Salzbeschränkung kann den Appetit zusätzlich mindern und ist meist nicht nötig. Wie viel getrunken werden soll, legt die Praxis individuell fest. Bei Hitze und Infekten ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, weil ältere Menschen schneller austrocknen.

Ziele gemeinsam festlegen

Im höheren Alter rücken andere Ziele in den Vordergrund: selbstständig bleiben, ohne Atemnot den Alltag bewältigen, Krankenhausaufenthalte vermeiden, Zeit mit der Familie verbringen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam darüber, was Ihnen wichtig ist. Daran lässt sich die Behandlung ausrichten. Es ist auch sinnvoll, frühzeitig eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung zu verfassen.

Unterstützung für Angehörige

Angehörige spielen oft eine wichtige Rolle. Sie bemerken Veränderungen wie Verwirrtheit oder Schwellungen manchmal früher als die Betroffenen selbst. Sie können beim Wiegen, beim Richten der Medikamente und bei Arztterminen helfen. Wenn der Alltag ohne Hilfe nicht mehr zu bewältigen ist, kann ein Pflegegrad weitere Leistungen eröffnen. Wie der Antrag funktioniert, erklärt der Beitrag Pflegegrad bei Herzschwäche beantragen. Pflegeberatung bieten unter anderem die Pflegekassen und Pflegestützpunkte.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist eine Herzschwäche im Alter normal?
Sie ist häufig, aber nicht einfach eine normale Alterserscheinung. Auch im hohen Alter steckt eine Erkrankung dahinter, die untersucht und behandelt werden kann. Viele Medikamente und Maßnahmen helfen auch älteren Menschen, wobei die Behandlung an die persönliche Situation angepasst wird.
Was ist die PRISCUS-Liste?
Die PRISCUS-Liste ist eine Zusammenstellung von Arzneimitteln, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind, weil sie häufiger Nebenwirkungen verursachen. Sie dient Ärztinnen, Ärzten und Apotheken als Orientierung. Ob ein Mittel im Einzelfall trotzdem sinnvoll ist, entscheidet die Praxis.
Wie können Angehörige helfen?
Angehörige können beim täglichen Wiegen, beim Richten der Medikamente und bei Arztterminen unterstützen, auf Warnzeichen wie Verwirrtheit oder Schwellungen achten und bei Bedarf einen Pflegegrad beantragen helfen. Wichtig ist, dass sie selbst Unterstützung annehmen und sich nicht überfordern.