Leben im Alltag

Herzschwäche und Depression: Psychische Belastung erkennen

Warum Niedergeschlagenheit und Ängste bei Herzschwäche so häufig sind, wie Sie eine Depression von normaler Traurigkeit unterscheiden und welche Wege zu Hilfe es gibt.

Eine Herzschwäche betrifft nicht nur den Körper. Viele Betroffene erleben nach der Diagnose Angst, Trauer, Unsicherheit und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Bei einem Teil entwickelt sich daraus eine Depression. Sie ist bei Menschen mit Herzschwäche deutlich häufiger als in der übrigen Bevölkerung, wird aber oft nicht erkannt. Diese Seite erklärt, woran Sie eine Depression erkennen, warum sie wichtig ist und welche Hilfe es gibt. Sie ersetzt keine Diagnose. Weitere Alltagsthemen finden Sie unter Leben mit Herzschwäche.

Warum Herz und Psyche zusammenhängen

Eine chronische Herzerkrankung verändert das Leben. Belastbarkeit, Beruf, Hobbys und Rollen in der Familie können sich verschieben. Atemnot und Herzklopfen machen Angst. Hinzu kommen häufige Arzttermine und viele Medikamente. Das alles kann die Seele belasten.

Umgekehrt wirkt eine Depression auf das Herz zurück. Wer niedergeschlagen ist, bewegt sich weniger, isst unregelmäßiger, schläft schlechter und nimmt Medikamente weniger zuverlässig ein. Auch Stresshormone und Entzündungsvorgänge spielen eine Rolle. Studien zeigen, dass Depressionen bei Herzschwäche mit mehr Krankenhausaufenthalten und einer schlechteren Lebensqualität verbunden sind. Deshalb verdienen sie genauso viel Aufmerksamkeit wie Atemnot oder Wassereinlagerungen.

Woran Sie eine Depression erkennen

Eine Depression ist mehr als eine schlechte Phase. Fachleute sprechen davon, wenn über mindestens zwei Wochen mehrere der folgenden Beschwerden bestehen:

  • gedrückte Stimmung an den meisten Tagen
  • Verlust von Interesse und Freude an Dingen, die früher Spaß gemacht haben
  • Antriebslosigkeit und rasche Ermüdbarkeit
  • Schlafstörungen, besonders frühes Erwachen
  • Appetitverlust oder vermehrtes Essen
  • Konzentrationsprobleme, Grübeln
  • Gefühle von Wertlosigkeit oder Schuld
  • Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den Tod

Zwei einfache Fragen werden in Praxen oft als erster Test genutzt: Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig oder hoffnungslos? Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gern tun? Wer eine davon mit Ja beantwortet, sollte das ärztlich ansprechen.

Herz oder Seele?

Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafprobleme und Appetitlosigkeit können sowohl von der Herzschwäche als auch von einer Depression kommen. Das macht die Unterscheidung schwer. Ein wichtiger Hinweis ist der Verlust von Freude und Interesse: Er gehört zur Depression, nicht zur Herzschwäche. Auch manche Medikamente können die Stimmung beeinflussen. Klären Sie das in der Praxis, statt Beschwerden einfach hinzunehmen.

Welche Hilfe es gibt

  • Gespräch in der Praxis: Der erste Schritt ist, die Beschwerden offen anzusprechen. Hausarzt- und Kardiologiepraxen kennen das Thema.
  • Psychotherapie: Gesprächs- und Verhaltenstherapie sind bei Depressionen wirksam. Gesetzlich Versicherte können ohne Überweisung eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren. Die Terminservicestelle unter 116 117 hilft bei der Suche.
  • Bewegung: Regelmäßige, angepasste Bewegung kann die Stimmung verbessern. Mehr dazu im Beitrag Herzschwäche und Sport.
  • Medikamente: Bei mittelschweren und schweren Depressionen können Antidepressiva helfen. Die Auswahl erfolgt mit Blick auf das Herz und die übrigen Medikamente.
  • Reha: In einer kardiologischen Reha gehört psychologische Unterstützung zum Programm. Wie Sie dorthin kommen, lesen Sie unter Reha bei Herzinsuffizienz.
  • Austausch: Herzsportgruppen und Selbsthilfegruppen bieten Kontakt zu Menschen in ähnlicher Lage.

Was Sie selbst tun können

  1. Strukturieren Sie den Tag mit festen Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Bewegung und Ruhe.
  2. Planen Sie bewusst kleine angenehme Dinge ein, auch wenn die Lust fehlt.
  3. Bleiben Sie in Kontakt mit Menschen, die Ihnen guttun.
  4. Gehen Sie zurückhaltend mit Alkohol um. Er verschlechtert Stimmung und Schlaf und belastet das Herz.
  5. Wenn es Ihnen schwerfällt, an die Medikamente zu denken, helfen feste Routinen und Erinnerungen. Tipps dazu im Beitrag Therapietreue.
  6. Notieren Sie Ihre Stimmung neben Gewicht und Blutdruck, etwa im Patiententagebuch. Das hilft im Arztgespräch.

Angst und Panik

Neben Depressionen sind auch Ängste häufig, etwa die Angst vor einem Rückfall oder vor einem Schock des Defibrillators. Panikattacken mit Herzrasen und Atemnot sind schwer von Herzbeschwerden zu unterscheiden. Im Zweifel gilt: lieber einmal mehr ärztlich abklären lassen. Wiederkehrende Ängste lassen sich gut behandeln.

Begleiterkrankungen im Blick

Eine Depression ist eine eigenständige Erkrankung, die zu den häufigen Begleiterkrankungen der Herzschwäche gehört. Weitere wie Schlafapnoe, Diabetes oder Bluthochdruck beschreibt die Seite Begleiterkrankungen.

Sofort Hilfe in der Krise

Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, oder sich in einer akuten Krise befinden, warten Sie nicht. Rufen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist es normal, nach der Diagnose traurig zu sein?
Ja. Trauer, Sorgen und Angst sind verständliche Reaktionen auf eine ernste Diagnose und klingen oft nach einigen Wochen ab. Halten sie länger an, rauben sie Ihnen jede Freude oder beeinträchtigen sie den Alltag stark, kann eine Depression dahinterstecken, die behandelt werden sollte.
Vertragen sich Antidepressiva mit Herzmedikamenten?
Viele Antidepressiva lassen sich gut mit Herzmedikamenten kombinieren. Manche Mittel können aber den Herzrhythmus, den Blutdruck oder die Blutsalze beeinflussen. Deshalb wählt die Praxis das Mittel sorgfältig aus und kontrolliert bei Bedarf EKG und Blutwerte. Sagen Sie immer, welche Herzmedikamente Sie nehmen.
Brauche ich eine Überweisung für eine Psychotherapie?
Nein. Gesetzlich Versicherte können sich direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden und eine Sprechstunde vereinbaren. Bei der Terminsuche hilft auch die Terminservicestelle unter 116 117. Die Hausarztpraxis kann ebenfalls beraten und vermitteln.